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Tagungshinweis November 2017: „Kultur bewegt“

Archiv des Schottenstifts -

Am 29. November 2017 findet im Kardinal-König-Haus in Wien im Rahmen der Herbsttagung 2017 der Ordensgemeinschaften Österreich die diesjährige Informationstagung des Referats für die Kulturgüter der Orden zum Thema „Kultur bewegt – Glaubenszeugnisse zum Anfassen“ statt. In mehreren Vorträgen wird der Frage nachgegangen, auf welche Weise Kulturgüter Gedächnis- und Verkündigungsorte für Ordensleben sein können. Das vollständige Programm gibt es hier.

Von Bibliothekslandschaft, Bildersaal und Schatzkiste

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Der anderthalbtägige wissenschaftliche Workshop in Halle (Saale) am 26. und 27. Oktober 2017 zum Thema: Historische Schulbibliotheken der Frühen Neuzeit. Eine Annäherung, den bibliotheca.gym bereits ankündigte und an dem ich teilnehmen konnte, war der erste seiner Art: Historische Schulbibliotheken sind wertvolles Kulturgut und eine wenig erforschte bibliothekarische Sammlungsform. Die Tagung – konzipiert, eingerichtet und geleitet von Britta Klosterberg (Halle) – fand im Gebäude des historischen Waisenhauses der Franckeschen Stiftungen statt.

Die in elf Referaten aufgezeigten Themen erfassten zahlreiche Aspekte der wissenschaftlichen Beschäftigung mit historischen Schulbibliotheken.  Einen theoretischen Rahmen entwarf  Axel Walter (Eutin),  indem er anhand der frühneuzeitlichen Bildungs- und Bibliothekslandschaft von Königsberg die These exemplifizierte, dass die jeweiligen Kontexte einer gymnasialen Sammlung stets zu berücksichtigen seien. Dort ließ sich auch die Betrachtung der Funktion von Büchern als Meinungsbildner anschließen, aufgezeigt  an den Schulbibliotheken der Jesuiten von Reinhard Feldmann (Münster)

Die Vorstellungen verschiedener historischer Schulbibliotheken eröffneten ein weites Spektrum. So präsentierte Petra Mücke (Pforte) die Bibliothek der Landesschule Pforta als einen seit Jahrhunderten für Benutzer offenen Ort, während Juliane Jacobi (Berlin) die nach einer Sanierung noch verpackte Sammlung der Ritterakademie Brandenburg vorstellte. Susanne Knackmuß (Berlin) beschrieb eindrucksvoll die Situation der noch unerschlossenen Überreste der einstmals um zwei Drittel umfangreicheren Bibliothek des alten Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin, dessen Gebäude samt Buchsammlung im Zweiten Weltkrieg Opfer der Bomben geworden war.  Jedoch auch bis auf den heutigen Tag bewahrte Sammlungen, die sich noch in den Schulen befinden, scheinen gefährdet. So war von Kristina Hartfiel (Düsseldorf) zu erfahren, dass die im Rahmen von zwei Jahren als Universitätsprojekt  begonnene Erschließung der historischen Bibliothek des Görres-Gymnasiums in Düsseldorf nach Ablauf des Förderungszeitraums nunmehr zu stockt. Die von der Landesbibliothek betreute, sorgsam erschlossene Sammlung der Bibliothek des Gymnasiums am Kaiserdom in Speyer soll, wie Armin Schlechter (Speyer) berichtete, mit seinen ältesten Exemplaren bis 1800 bald das Schulhaus verlassen, weil das Gymnasium andere Schwerpunkte zu haben scheint. Immer wieder reichte der Blick weit in die Neuzeit hinein, so zum Beispiel  in der Vorstellung der Deutschen Lehrerbücherei in Berlin als Basis eines Professionswissens für Volksschullehrer im 19. und frühen 20. Jahrhundert (Joachim Scholz, Stefan Cramme, Berlin).

Neuer Kinderfreund. Leipzig 1795; Titel. Aus der Oratorischen Bibliothek des Königlichen Pädagogiums zu Halle (Quelle)

Dass Schullektüren der Frühen Neuzeit ein noch nicht erschlossenes Forschungsfeld darstellen, wurde von Stefan Ehrenpreis (Innsbruck) verdeutlicht. Mit anschaulichen Beispielen für Bildersäle, Kinderbibliotheken und Denklehrzimmer lenkte Sebastian Schmideler (Leipzig) den Blick auf die Realienpädagogik der Frühen Neuzeit. Eine Ausstellung zeigte uns nach einer Einführung durch Anne Sturm (Halle) einzelne Exemplare einer Schulbibliothek um 1800, leibhaftig und wohlerhalten: In einem Kabinett der  Oratorischen Bibliothek des Königlichen Pädagogiums zu Halle sind zahlreiche Beispiele für Jugendlektüren des 18. Jahrhunderts zu sehen (noch bis 8. April 2018).

Ein Tagungsband wird erscheinen.  Was mir aus den dichten Vorträgen und den anregenden Diskursen im Gedächtnis blieb, sei hier zur Erinnerung notiert:

• die wichtige Rolle privater Lehrerbibliotheken für die schulischen Buchbestände der Vergangenheit

• die noch weitestgehende Unschärfe einer begrifflichen und inhaltlichen Unterscheidung von Schul-, Schüler- und Lehrerbibliothek

• die umfangreichen erhaltenenen Sammlungen von Schulprogrammen im Osten (Brandenburg, Pforte, Halle…)

• die lokal- und regionalgeschichtliche Bedeutung der stets zu den Schulsammlungen  gehörenden  Personalschriften

• die mir bislang unbekannte Einrichtung einer Schuldruckerei, den Begriff des Gymnasialdruckers

und

• Armin Schlechters schöne Worterfindung: „Trophäenbibliothek“  für eine in einer Schule aufbewahrte historische Gymnasialbibliothek, die vor allem als Schatzkiste dienen muss, um die Anstalt zu schmücken.

Beitragsbild:

Gottfried August Gründler (1710-1775), Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen. Kupferstich, 1749. (Quelle + Lizenz)

Diesen Artikel zitieren: Felicitas Noeske, "Von Bibliothekslandschaft, Bildersaal und Schatzkiste," in bibliotheca.gym, 04/11/2017, http://histgymbib.hypotheses.org/2964.

Tagungshinweis November 2017: „Kleine Archive – große Herausforderungen“

Archiv des Schottenstifts -

Am 10. November 2017 findet unter dem Titel „Kleine Archive – große Herausforderungen“ der 8. Niederösterreichische Archivtag im Hypo Panoramasaal in St. Pölten statt. Veranstalter sind das NÖ Landesarchiv und das NÖ Institut für Landeskunde. Auch Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier, der Autor dieser Zeilen, wird einen Vortrag zum Thema „Profilierung und Positionierung von kleinen Archiven“ halten. Das vollständige Programm gibt es hier.

Gymnasialbibliotheken in der Wikipedia

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Bei Archivalia weist Klaus Graf auf zwei Darstellungen von Gymnasialbibliotheken in der deutschsprachigen Wikipedia hin, die einen eigenen Artikel haben:

Die Suche in der Wikipedia mit: bibliothek gymnasium ergibt einige Treffer,  die auf mehr oder weniger ausführliche Erwähnungen einer historischen Bibliothek in Artikeln zu einzelnen Gymnasien hinweisen; auch eine weitere eigene Darstellung zu einer solchen Sammlung lässt sich finden:

Ausführliche Darstellungen innerhalb von Wikipedia-Schulartikeln haben zum Beispiel folgende Gymnasien:

Wenn auch diese kurze Aufzählung nur einer oberflächlichen Suche in der Wikipedia entstammt, liefert sie bereits einen kleinen Einblick in die unterschiedlichen Schicksale dieser weitestgehend bis heute in der Öffentlichkeit unbekannt gebliebenen Sammlungsform.

Einen umfassenden Überblick über Standorte gymnasialer Buchsammlungen liefert das

  • Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland, Band 25. Gesamtregister, Sachregister GES-ME. Zusammengestellt von Karen Kloth und André Schüller. Olms-Weidmann, Hildesheim/Zürich/New York 2000.

Siehe auch:

Wikipedia-Liste der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum

Beitragsbild:

Historische Bibliothek der Stadt Rastatt. Foto: Klaus Graf (Quelle + Lizenz)

 

Artikel über Chancen und Herausforderungen eines Archivpraktikums

Archiv des Schottenstifts -

Im Jänner dieses Jahres hielt Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier, der Autor dieser Zeilen, bei einem Studientag einen Vortrag über Praktika im Archiv. Vor kurzem ist nun das bearbeitete Vortragsmanuskript als Aufsatz in den Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden (MiRKO) erschienen und kann online heruntergeladen werden:

Maximilian Alexander Trofaier, Chancen und Herausforderungen eines Archivpraktikums. Vorschläge aus der Praxis eines kirchlichen Ein-Personen-Archivs, in: MiRKO 2 (2017) 69–76.

Wirtschaftsarchive und Datenschutz

Referat für die Kulturgüter der Orden in Österreich -

Beim traditionellen Jänner-Studientag der Archive der Kirchen und Relgionsgemeinschaften - diesmal am 22.1.2018 in Salzburg - geht es diesmal um die Frage, wie Wirtschaftsunterlagen zu archivieren sind, wobei insbesondere Ordnungs- und Bewertungskriterien erörtert werden sollen. Christian Dirninger, Professor für Wirtschaftsgeschichte, wird über den Quellenwert von Archivalien aus den Wirtschaftsabteilungen sprechen, und Christine Gigler vorstellen, wie im Archiv der Erzdiözese Salzburg mit den Übergaben aus der diözesanen Finanzkammer verfahren wird.

Kategorien: TermineVorschauRechtsfragenWirtschaftsarchive

50 Jahre Musicam sacram

Referat für die Kulturgüter der Orden in Österreich -

50 Jahre nach der Instruktion der Liturgiekongregation zur Kirchenmusik fand im Vatikan eine Tagung zum Thema „Musica e Chiesa“ statt. An der Konferenz nahmen rund 350 Musiker, Liturgiker, Komponisten und Dirigenten, Erzieher, Musikwissenschaftler und Theologien teil sowie Vertreter der Orden und Bischofskonferenzen. Die Veranstaltung wurde vom Päpstlichen Rat für die Kultur gemeinsam mit der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, dem Päpstlichen Institut für Sakralmusik und dem Päpstlichen Liturgieinstitut von Sant’Anselmo vorbereitet.

Kategorien: Musikarchive

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