Archiv des Schottenstifts

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Informationen aus der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien
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P. Albert Hübl – Bibliothekar, Archivar, Gymnasialdirektor

p, 06/09/2017 - 08:30

Der Historiker Pater Albert Hübl (1867–1931) zählt zu den bedeutendsten Mönchen des Schottenklosters; seine Leistungen wirken noch heute nach, seine Werke sind nach wie vor in Verwendung. Am 21. Juli dieses Jahres jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal – Anlass für eine Würdigung in Form einer kleinen Sonderpräsentation im Museum im Schottenstift wie auch hier im Blog.

Geboren wurde der junge Karl Hübl am 21. Juli 1867 als Sohn eines Simmeringer Gastwirtes (heute 11. Wiener Gemeindebezirk). Nach dem Besuch des Schottengymnasiums trat er 1885 unter dem Ordensnamen Albert in die Schottenabtei ein und studierte an der Universität Wien zunächst Theologie, danach auch Geschichte und Geographie. 1890 wurde er zum Priester geweiht, ab 1895 unterrichtete er selbst am stiftseigenen Gymnasium.

Neben seiner Lehrtätigkeit wurde Hübl im Kloster mit den Aufgaben des Bibliothekars (1901), des Kustos des Münzkabinetts (1902) sowie des Archivars (1918) betraut. Als solcher verfasste er die immer noch maßgeblichen gedruckten Kataloge der Handschriften, der Inkunabeln und der lateinischen und griechischen Münzen der numismatischen Sammlung des Schottenstifts. 1919 wurde er außerdem zum Direktor des Schottengymnasiums ernannt. Sämtliche Funktionen übte er bis kurz vor seinem Tod am 24. Dezember 1931 aus.

Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen belegen seine langjährigen Forschungen. Hübl war unter anderem Vorstandsmitglied des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Vizepräsident der Österreichischen Numismatischen Gesellschaft, Obmann der historischen Sektion der Österreichischen Leo-Gesellschaft und Mitglied der Lehrbücherkommission. 1922 wurde er zum Regierungsrat, 1927 zum Hofrat ernannt. Für seine Verdienste erhielt er außerdem das Goldene Verdienstkreuz mit der Krone. 

Das ohne Zweifel am weitesten verbreitete Werk Albert Hübls ist sein 1899 erschienener Catalogus codicum manu scriptorum qui in Bibliotheca Monasterii B.M.V. ad Scotos Vindobonae servantur, sein Katalog der Handschriften­sammlung des Schottenstifts, der noch heute von Forschenden auf der ganzen Welt herangezogen wird. Ihm verdanken alle Codices des Hauses auch ihre sogenannten „Hübl-Signaturen“.

Cod. 26 (Hübl 26), fol. 1r
Gregor der Große: Moralia in Iob (15. Jh.)
Rechts zum direkten Vergleich der entsprechende Eintrag im Hübl-Katalog.

Nach seinem Handschriftenkatalog veröffentlichte Albert Hübl in seiner Funktion als Bibliothekar 1904 den Katalog Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien.

Albert Hübl: Die Inkunabeln der Bibliothek des Stiftes Schotten in Wien (1904).

Diese Arbeit war wohl auch ausschlaggebend dafür, dass Hübl 1913 vom k. k. Minister für Kultus und Unterricht, Max Hussarek von Heinlein, in jene Kommission zur Erfassung der österreichischen Inkunabelbestände berufen wurde, welche dem preußischen Projekt des Gesamtkatalogs der Wiegendrucke zuarbeiten sollte.

Berufung Albert Hübls in die Inkunabelkommission (6. Juli 1913).

Im Jahr 1907 erschien Albert Hübls Geschichte des Unterrichtes im Stifte Schotten in Wien, die sich nicht nur mit dem Schottengymnasium, sondern auch mit den mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Vorgängerschulen im Kloster beschäftigte.

Albert Hübl: Geschichte des Unterrichtes im Stifte Schotten in Wien (1907).

Aus dieser Arbeit schöpfte er auch für seinen allgemeinen Aufsatz Die Schulen, der Teil des 1914 vom Alterthumsverein zu Wien (heute Verein für Geschichte der Stadt Wien) herausgegebenen fünften Bands der Geschichte der Stadt Wien war, welcher sich mit der Zeit vom Ende des Mittelalters bis zum Regierungsantritt Maria Theresias beschäftigte. Im gleichen Jahr erschien im Rahmen einer Sonderpublikation des Schotten­gymnasiums Hübls Aufsatz Die Wiener Schotten und das Mutterkloster St. Jakob in Regensburg, der nicht nur die irische Periode des Schottenstifts vor 1418 behandelt, sondern auch auf den in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts andauernden Konflikt mit dem einstigen Mutterhaus eingeht.

Ebenfalls 1914 veröffentlichte Albert Hübl seine Baugeschichte des Stiftes Schotten in Wien in den Berichten und Mitteilungen des Alterthumsvereines zu Wien. Seither hat diese für die Hausgeschichte bedeutende Arbeit eine stete Rezeption erfahren. Zu diesem Aufsatz erhielt Hübl auch ein Gratulationsschreiben aus Rumänien vom Bukarester Erzbischof Raymund Netzhammer, dem er zuvor bei einer münzkundlichen Recherche behilflich gewesen war. Die Postkarte datiert vom 22. Juli 1914 – eine Woche später brach der Erste Weltkrieg aus!

Erzbischof Raymund Netzhammer an P. Albert Hübl (22. Juli 1914).

1917 erschien Hübls Aufsatz Die Bruderschaften an der Schottenkirche in Wien, zunächst als Sonderdruck, dann 1918 abermals in den Berichten und Mitteilungen des Alterthumsvereines zu Wien, der sich erstmals mit diesem Thema beschäftigte. Es folgte kurz darauf eine Publikation zu den Neujahrsbildern dieser Bruderschaften. Eine wohlwollende Kurzrezension dieses Artikels verfasste der renommierte Kirchenhistoriker Ernst Tomek – ein ehemaliger Schüler Hübls! – 1919 für das Allgemeine Literaturblatt.

Ernst Tomek: Kurzrezension zu Die Bruderschaften (1919).

Abseits der Wissenschaften prägte Albert Hübl sein Umfeld aber auch als Lehrer und Gymnasialdirektor. Eindrücklich belegt dies ein aus Steenokkerzeel in Belgien gesandter Brief der einstigen österreichischen Kaiserin Zita von Bourbon-Parma vom 2. März 1931, mit welchem diese Hübl für seine Mitwirkung an der Reifeprüfungskommission für den jungen Otto von Habsburg dankte. Dieser hatte im Jahr 1929 im Exil weilend die Matura gemäß den bis 1918 gültigen Regeln sowohl der österreichischen wie auch der ungarischen Reichshälfte abgelegt. Ottos Vater Karl I., der letzte Kaiser von Österreich, war Jahrzehnte zuvor Schüler Hübls am Schottengymnasium gewesen.

Dankesschreiben der Kaiserin Zita (2. März 1931).

Am 24. Dezember 1931 verstarb Albert Hübl nach längerer Krankheit.

Partezettel für P. Albert Hübl (1931).

Als eine von mehreren Zeitungen berichtete auch das Neue Wiener Journal am 29. Dezember 1931 vom Begräbnis Hübls am Vortag. Unter den genannten Anwesenden stechen vor allem der österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas, der österreichische Bundeskanzler Karl Buresch und der Wiener Erzbischof Friedrich Gustav Kardinal Piffl hervor.

Neues Wiener Journal: Bericht über das Begräbnis Albert Hübls (29. Dezember 1931).

Im Stiftsarchiv zeugen zahlreiche Kondolenzschreiben hochrangiger Politiker und anderer Personen des öffentlichen Lebens von der hohen Wertschätzung gegenüber Albert Hübl. So bekundeten etwa sowohl Bundespräsident Miklas (handschriftlich!) als auch Bundeskanzler Buresch dem Abt-Koadjutor Hermann Peichl am 28. Dezember 1931 ihr Beileid zum Tod Hübls.

Kondolenzschreiben von Bundespräsident Wilhelm Miklas an Abt-Koadjutor Hermann Peichl (28. Dezember 1931). Kondolenzschreiben von Bundeskanzler Karl Buresch an Abt-Koadjutor Hermann Peichl (28. Dezember 1931).

Abschließend hier noch ein Porträt P. Albert Hübls: Diese undatierte Photographie zeigt ihn in seiner Funktion als Gymnasialdirektor in der Direktionskanzlei des Schottengymnasiums. Der abgebildete Schreibtisch ist heute noch im Stiftsarchiv in Verwendung.

P. Albert Hübl (ca. 1920er-Jahre)

Die Sonderpräsentation „P. Albert Hübl – Bibliothekar, Archivar, Gymnasialdirektor“ kann von Juni bis Ende September 2017 im Museum im Schottenstift besichtigt werden. Der Zugang erfolgt über den Klosterladen (Freyung 6, 1010 Wien).

Dieser Beitrag erscheint zugleich auch anlässlich des Internationalen Tags der Archive 2017.

Fast befriedigende Matura am Schottengymnasium

sze, 05/31/2017 - 15:14

In den nächsten Tagen stöhnen wieder Schülerinnen und Schüler am Schottengymnasium wie in ganz Österreich bei der mündlichen Matura. Denjenigen, die einen Antritt in Latein wagen, mag als Trost dienen, dass man früher nicht nur Übersetzungen vom Lateinischen ins Deutsche anfertigen musste, sondern auch umgekehrt. Das machte auch dem jungen Karl Hübl 1885 bei der schriftlichen Matura am Schottengymnasium zu schaffen: Den deutsch-lateinischen Prüfungsteil beurteilte sein Prüfer nur als fast befriedigend. P. Hugo Mareta, der die Prüfungen in Latein und Deutsch abnahm, war von 1856 bis 1902 längstdienender Lehrer des Schottengymnasiums und konnte sich daher wohl eine kreativere Benotung erlauben.

Schriftliche Maturaarbeit (deutsch-lateinisch) von Karl Hübl (1885)

In der mündlichen Prüfung konnte sich sein Schüler dann offensichtlich des „Fast“ entledigen: Wie im Zeugnis vom 2. Juli 1885 zu lesen ist, schloss Hübl die Latein-Matura schließlich doch noch mit einem Befriedigend ab. 

Maturazeugnis von Karl Hübl (1885)

Bleibt die Frage, warum die schriftliche Maturaarbeit des jungen Karl heute im Stiftsarchiv aufbewahrt wird? Nun, Karl trat noch im gleichen Jahr als Novize unter dem Ordensnamen Albert ins Schottenstift ein und wurde hier in der Folge Lehrer, Bibliothekar sowie Archivar; ab 1919 war er außerdem Direktor des Schottengymnasiums. Wohl in dieser Funktion sicherte er sich die eigene Maturaarbeit als privates Erinnerungsstück, weshalb sie heute in seinem Nachlass im Stiftsarchiv zu finden ist.

Mehr zu P. Albert Hübl gibt es bald an dieser Stelle.

Penicillium und Aspergillus. Dekontaminierungsaktion Inkunabelsammlung

k, 05/23/2017 - 15:26

In diesen Tagen wurde im Rahmen einer großangelegten Dekontaminierungsaktion dem (überwiegend inaktiven) Schimmelbefall in der Inkunabelsammlung zu Leibe gerückt. Nachdem vor einiger Zeit im Zuge der Anbringung von Buchschuhen und Schubern an den Inkunabeln einige Fälle von altem Schimmelbefall festgestellt wurden, konnte nun endlich die konservatorische Bearbeitung der kontaminierten Bücher durch Restauratorin Dr. Bettina Dräxler beginnen. Dies ist notwendig, da auch inaktive Schimmelpilze unter günstigen Bedingungen – zum Teil Jahrzehnte später – wieder aktiv werden und damit weitere Schäden hervorrufen können. Ebenso können angrenzende Bücher ebenfalls kontaminiert werden. Nicht zuletzt stellen Schimmelpilze auch ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, weshalb die betroffenen Inkunabeln von der Benutzung ausgeschlossen werden mussten. Aufgrund der größeren Anzahl der zu behandelnden Bände (ca. 30 Stück), erschien es pragmatischer, die Dekontaminierung direkt vor Ort durchzuführen. Auch Archivmitarbeiterin Larissa Rasinger durfte dem Restauratorenteam nach einer kurzen Einschulung dabei zur Hand gehen. 

Die bisher zur Isolation in Seidenpapier verpackten Bände wurden zunächst sowohl außen als auch zwischen den einzelnen Blättern mit einem Spezialstaubsauger mit HEPA-Filter abgesaugt. Nach dem Absaugen verbliebene Auflagen wurden – wo möglich – zusätzlich mit einem Latexschwämmchen abgetragen. Anschließend wurden die betroffenen Stellen mit Ethanol behandelt, um den Schimmel abzutöten, und die Bücher danach zum Trocknen aufgestellt. Handschuhe und Atemmasken sind bei solchen Arbeiten aufgrund der gesundheitsgefährdenden Wirkung der Sporen Pflicht. In Ermangelung eines geeigneten Manipulationsraums wurden die Arbeiten im Handschriftenarchiv durchgeführt, weshalb die übrigen im Raum befindlichen Bibliotheksbestände mit Folien vor einer Kontaminierung geschützt wurden.

Neben der Dekontaminierung des Schimmels konnte durch die Reinigung zum Teil auch der optische Eindruck befallener Seiten wieder verbessert werden. Verfärbungen des Papiers – wie beispielsweise violette, grüne und gräuliche Flecken – entstehen durch Stoffwechselprodukte der Mikroorganismen und können leider nicht mehr entfernt werden. Allerdings ist für stark geschädigte Bücher, bei denen durch den Befall beispielsweise bereits eine Schwächung der Papiersubstanz eingetreten ist, in einem zweiten Schritt eine zusätzliche Restaurierung in der Restaurierwerkstätte außer Haus geplant. Den mikroskopischen Übeltätern aber – Penicillium und Aspergillus – ist nun jedenfalls der Garaus gemacht.

Kindergarten im Archiv

p, 04/28/2017 - 13:29

Diese Woche hatten wir ungewöhnliche Gäste im Archiv: Eine Gruppe des Schottenkindergartens stattete Stiftsarchiv und Handschriftensammlung einen Besuch ab! Die Kinder im Alter von zwei und drei Jahren erhielten einen kurzen Einblick, was ein Archiv überhaupt ist und was dort so alles aufbewahrt wird.

Zum Abschluss durfte jedes Kind selbst eine Urkunde besiegeln und in einer kleinen Archivmappe mitnehmen. Wieder zurück im Kindergarten wurden dann noch Handschriftenblätter illuminiert.

Tagungshinweis Mai 2017: ,,Staupitz, Luther und Salzburg“

sze, 04/19/2017 - 11:34

Von 5. bis 6. Mai 2017 findet in der Erzabtei St. Peter in Salzburg aus Anlass des Reformationsjubiläums die internationale Tagung ,,Staupitz, Luther und Salzburg in den Jahren 1517–1524“ statt. Die von Rudolf Leeb (Universität Wien, Evangelisch-Theologische Fakultät, Institut für Kirchengeschichte) und Gerald Hirtner (Archiv der Erzabtei St. Peter) vorbereitete Veranstaltung beschäftigt sich mit dem Vorgesetzten, Förderer und Lehrer des jungen Martin Luther, Johann von Staupitz, der vom Orden der Augustiner-Eremiten kommend 1522 Abt in St. Peter in Salzburg wurde. Das vollständige Programm gibt es hier.

Pulkauer Knopfakten 1671

cs, 03/02/2017 - 12:13

Mit Knöpfen haben die „Pulkauer Knopfakten“ nichts zu tun, zumindest nicht mit jenen, die sich an der Kleidung finden. Der Name rührt von der Turmkugel an Kirchtürmen (auch Turmknauf oder  -knopf genannt) her, die nicht selten als Zeitkapsel genützt wurde. Während des Baus deponierte man in der später verschlossenen Turmkugel gerne verschiedene Akten, wie beispielsweise Auszüge aus Geburtenregistern oder Aufzeichnungen zum Bau der Kirche, oder auch andere kleine Gegenstände, wie zum Beispiel Münzen.

Scr. 122 Nr. 160

Die Pulkauer Michaelskirche fand sich nach den Schwedeneinfällen 1645 als Ruine wieder und wurde wahrscheinlich erst in den Jahren 1671 bis 1674 wieder aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt wurde die kleine blecherne Zeitkapsel in die Turmkugel gelegt. Aufgrund der darin enthaltenen Pergamentrolle ist bekannt, dass 1671 auch der Turm renoviert wurde. Auf der Rückseite sind die Namen von Personen, die für die Arbeiten gespendet hatten, aufgeführt. Dem Pergamentstreifen beigegeben hat man außerdem weitere Gegenstände, wie zwei kleine Kreuzchen, einen sogenannten Benediktuspfenning und einen Taler von 1623. Vielleicht sollte die Münze ähnlich einem Bauopfer funktionieren; die kleinen Kreuzchen und die Benediktusmedaille der Kirche oder auch demjenigen, der diese zur Aufbewahrung in der Turmkugel gestiftet hatte, Glück bringen. Oder aber der frühere Besitzer wollte auf diese Weise in der Geschichte verankert sein. Wann die Knopfakten der Turmkugel entnommen wurden und wann sie ihren Weg von der Pulkauer Pfarrkirche in das Archiv des Schottenstifts gefunden haben, ist nicht mehr feststellbar – dem Autor einer Pfarrgeschichte, Anton Reich, waren sie 1963 zumindest schon bekannt.1

  1. Anton Reich, Pulkau. Pfarrkirche St. Michael – Karner – Heiligblutkirche (Österreich-Reihe 195/197, Wien 1963) 19.