Archiv des Schottenstifts

Gesamtverzeichnis der Urkundenreihe und Urkunden-Findbuch

Für Benutzerinnen und Benutzer gibt es auf unserer Webseite seit Kurzem zwei besondere Schmankerl zum Herunterladen: das erste vollständige Gesamtverzeichnis der chronologischen Urkundenreihe des Schottenstifts sowie ein Urkunden-Findbuch, das die Urkunden thematisch erschließt.

Die Urkunden bilden den ältesten Bestand des Stiftsarchivs und reichen bis in die Gründungszeit des Klosters im 12. Jahrhundert zurück. Die erste umfassende Ordnung des Bestands erfolgte Ende des 15. Jahrhunderts; die damals vorgenommene Einteilung der Urkunden in Landesfürstliche Privilegien, Päpstliche Privilegien, Jahrtagsstiftungen sowie nach Pfarren und Grundbesitz blieb im Wesentlichen in den folgenden Jahrhunderten bestehen und diente auch dem Stiftsarchivar P. Berthold Sengschmitt als Basis für seine Neuordnung des Archivs Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie spiegelte nicht nur thematische, sondern oftmals auch provenienzmäßige Zusammenhänge wider, da zahlreiche Urkunden erst als Vorurkunden zu späteren Rechtsgeschäften ins Haus kamen. 

Die Urkunden aus der bis 1418 dauernden irischen Periode des Klosters wurden bereits 1859 vom Stiftsarchivar und späteren Abt Ernest Hauswirth in einem Band der Fontes Rerum Austriacarum im Volltext ediert.1 Ende des 19. Jahrhunderts veröffentlichte P. Cölestin Wolfsgruber auch für die Zeit danach Regesten in den Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, doch blieben Urkunden, die keinen direkten Wien-Bezug hatten, unberücksichtigt und damit unpubliziert.2

Mitte des 20. Jahrhunderts legten die Stiftsarchivare Walther Latzke und P. Cölestin Rapf eine chronologische Urkundenreihe an. Hierfür wurden (mit einzelnen Ausnahmen) sämtliche Urkunden bis 1500 aus ihren Scrinien herausgenommen und chronologisch geordnet aufgestellt. Damit verbunden war auch eine Neusignierung mit reinen Datumssignaturen. Mit der Anlage dieser Urkundenreihe wurden jedoch die meisten zusammengehörigen Urkunden auseinandergerissen; Zusammenhänge erschlossen sich nur noch bei genauer Kenntnis des Gesamtbestands. Auch hiernach wurde noch kein vollständiges Verzeichnis aller Urkunden veröffentlicht.

Die Plattform Monasterium.net, das „virtuelle Urkundenarchiv Europas“, in dem das Schottenstift bereits sehr früh vertreten war, brachte Anfang des 21. Jahrhunderts eine enorm erleichterte und verbesserte Zugänglichkeit zu den Urkunden. Speziell bezogen auf die Urkunden des Schottenstifts ist die dortige Erfassung jedoch mit einzelnen Problemen behaftet, die leider noch nicht behoben werden konnten. So sind etwa nur jene Urkunden, zu denen es auch ein Regest von Hauswirth oder Wolfsgruber gibt, mit einer Abbildung versehen und damit tatsächlich benutzbar.

Vor wenigen Jahren erfolgte eine Neuverpackung und Neuverzeichnung der Urkundenreihe, im Zuge dessen diese auch um die noch fehlenden Urkunden aus der Zeit vor 1500, um sämtliche Urkunden aus der Zeit von 1500 bis 1531 sowie um alle späteren landesfürstlichen und päpstlichen Urkunden, die von alters her gesondert aufbewahrt worden waren, erweitert wurde. Außerdem wurden nun auch die Datumssignaturen korrigiert bzw. präzisiert, denn bei den reinen Datumssignaturen der 1950er-Jahre war problematischerweise bei mehreren Urkunden vom selben Tag keine weitere Präzisierung erfolgt und bei Vidimussen inkonsequent manchmal das Datum der erhaltenen Urkunde, manchmal aber das Datum des ursprünglichen Stücks verwendet worden.

Das Archiv des Schottenstifts ist seit einiger Zeit bestrebt, standardisierte Bestandsbeschreibungen und Verzeichnisse anzulegen und sukzessive online zugänglich zu machen. Den Anfang macht jetzt also die chronologische Urkundenreihe, welche mit dem vorliegenden Verzeichnis nun erstmals in ihrer Gesamtheit erschlossen und publiziert wird.

Ergänzt wird dieses Gesamtverzeichnis der Urkundenreihe durch das Urkunden-Findbuch. Um die durch die Anlage der chronologischen Urkundenreihe verwischten Zusammenhänge zwischen den einzelnen Urkunden wieder besser nachvollziehen zu können, wurde bereits 2011 intern ein solches Findbuch angelegt, welches sich an der Einteilung Sengschmitts nach Scrinien orientierte, darüber hinaus jedoch eine gewisse thematische Untergliederung vornahm. Es erfüllte damit zugleich auch die Funktion einer Signaturenkonkordanz. Aufgrund der umfassenden Neuverzeichnung und Erweiterung der Urkundenreihe wurde jedoch eine überarbeitete Fassung des Findbuchs notwendig, die nun ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das Findbuch möchte eine schnelle Orientierung bieten und ist am besten stets zusammen mit dem Gesamtverzeichnis zu konsultieren.

  1. Ernest Hauswirth (Hg.), Urkunden der Benedictiner-Abtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien vom Jahre 1158 bis 1418 (Fontes Rerum Austriacarum II/18, Wien 1859).
  2. Cölestin Wolfsgruber, Regesten aus dem Archive des Benedictinerstiftes Schotten in Wien, in: Quellen zur Geschichte der Stadt Wien I/1 (Wien 1895) 39–118 [Nr. 224–590] und I/3 (Wien 1897) 89–125 [Nr. 2647–2794].

Ostern 2018

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern besinnliche Kartage und ein gesegnetes Osterfest!

Fragm. liturg. 8
Fragment eines Antiphonars, Gesang zu Gründonnerstag (12. Jh.)

Tagungshinweis April 2018: „Klösterliche Handschriften- und Buchverkäufe“

Von 16. bis 17. April 2018 findet im Schottenstift die Tagung mit Workshop „Klösterliche Handschriften- und Buchverkäufe in der Zwischenkriegszeit“ statt. Veranstalter sind das Institut für Österreichische Geschichtsforschung, die Österreichische Nationalbibliothek, Sammlung Handschriften und alte Drucke, und das Referat für die Kulturgüter der Orden. Die Veranstaltung beschäftigt sich mit der Frage nach dem Verbleib von mittelalterlichen Handschriften, Inkunabeln und auch Kunstgegenständen aus klösterlichem Besitz, die vor allem in der Zwischenkriegszeit veräußert wurden. Die Keynote hält Christopher de Hamel (Cambridge) zum Thema „Austrian monastic books and their market in Britain and America in the 1930s and 1940s“. Das vollständige Programm gibt es hier.

„Bruderschafft Zum Schotten“. Die barocken Bruderschaften an der Schottenkirche

Derzeit widmet sich eine kleine Themenschau mit Objekten aus dem Stiftsarchiv den barocken Bruderschaften, die an der Schottenkirche beheimatet waren.1 Den Anlass bot die jüngst erfolgte Erschließung der Unterlagen der Bruderschaften entsprechend der Archivtektonik.

An vielen Kirchen entstanden zunächst im Spätmittelalter und dann vor allem in der Barockzeit solche religiösen Konfraternitäten, deren Mitglieder – Männer und Frauen – sich nicht nur zum Totengedächtnis und zu gemeinsamen Gebets- und Andachtsübungen verpflichteten, sondern sich darüber hinaus oft auch sozial-karitativen Funktionen wie etwa der Krankenpflege oder der Totenbestattung verschrieben. Diese Vereine mit Rechtspersönlichkeit und eigenem Vermögen waren meist nach einem Heiligen oder einem Glaubensgeheimnis benannt und bestifteten dafür einen bestimmten Altar in ihrer Kirche, der als Bruderschaftsaltar diente. Ihre Einnahmen bestanden aus den jährlichen Mitgliedsbeiträgen, Kollekten zu diversen Anlässen sowie aus Stiftungen und Legaten.

Die älteste in der Neuzeit bestehende Bruderschaft an der Schottenkirche war die 1471 von Abt Matthias Fink gegründete Sebastiani-Bruderschaft. Eine wichtige karitative Aufgabe dieser Konfraternität war die Ausgabe von Brot, Mehl und Wein an Bedürftige am Gedenktag des Bruderschaftspatrons, des hl. Sebastian, am 20. Jänner („Sebastianispende“).

StiA 05.Pfarr Scho 6/01.01
Statuten der Sebastiani-Bruderschaft (1471).

Das Zeitalter der Gegenreformation bewirkte für die Bruderschaften allerorts einen Aufschwung. In einem Sammelbuch der Sebastiani-Bruderschaft finden sich unter den Spendern Angehörige des Hochadels, des Hofes und der Wiener Bürgerschaft. Sogar Kaiser Ferdinand II. zählte zu den Wohltätern der Konfraternität.

StiA 05.Pfarr Scho 6/01.05
Sammelbuch der Sebastiani-Bruderschaft (1619–1621).

Im Jahr 1616 erhielt die Sebastiani-Bruderschaft neue Statuten. Einen Auszug davon zum eigenen Gebrauch der einzelnen Mitglieder boten gedruckte Bruderschaftsbüchlein, in denen die den Mitgliedern auferlegten religiösen und karitativen Verpflichtungen zusammengefasst waren.  

StiA 05.Pfarr Scho 6/01.12
Bruderschaftsbuch der Sebastiani-Bruderschaft (nach 1679).

Der Sebastiani-Bruderschaft gelang es, eine Reihe von Reliquien ihres Patrons anzusammeln. So übersandte etwa 1677 der Konvent der Augustiner-Eremiten in Köln auf Vermittlung des Prager Weihbischofs Otto Reinhold von Andrimont einen Stockzahn des heiligen Sebastian. Die Reliquien des Bruderschaftspatrons wurden den Gläubigen jährlich zum Kuss gereicht.

StiA 05.Pfarr Scho 6/01.08.04
Schenkung einer Stockzahnreliquie des hl. Sebastian (1677).

In der Barockzeit kam es zur Gründung weiterer Konfraternitäten, unter denen die Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende und die Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä die bedeutendsten waren.

Die Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende wurde 1632 zur Förderung der Schottenmadonna gegründet, jener Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert, die heute in der Romanischen Kapelle der Schottenkirche steht. Schwerpunkt dieser Konfraternität  waren Prozessionen und Wallfahrten.

Anlässlich ihres hundertjährigen Bestehens erschien im Jahr 1732 eine Festschrift, die mehrere Festpredigten sowie eine Beschreibung des Ablaufs der Feierlichkeiten enthält.

StiA 05.Pfarr Scho 6/03.07
Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende (1732).

Dieser Bittgesang wurde von den Mitgliedern der Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende rund um das Patronatsfest der Konfraternität, Mariä Himmelfahrt (15. August), gesungen.

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Bittgesang der Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende (18. Jh.).

Die Vorsteher und Offizianten der Bruderschaften wurden regelmäßig neu gewählt. Diese Funktionsträger waren meist angesehene Wiener Bürger.

StiA 05.Pfarr Scho 6/03.12
Funktionsträgerliste der Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende (1747).

Die 1707 von Abt Karl Fetzer mitbegründete Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä hatte einen karitativen Schwerpunkt und bildete eine Art Krankenkasse für ihre Mitglieder.

StiA 05.Pfarr Scho 6/06.01
Gründungsvertrag der Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä (1707).

Neben ihren eigentlichen Mitgliedern (sogenannte Hilfsmitbrüder und Supernumerarii) gehörten der Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä auch zahlreiche Guttäterinnen und Guttäter an. Zu diesen zählten unter anderem auch Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Joseph II.

StiA 05.Pfarr Scho 6/06.07
Mitgliederkatalog der Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä (1770).

Weitere Konfraternitäten an der Schottenkirche von geringerer Bedeutung (und meist auch Dauer) waren die Bruderschaft vom hl. Benedikt um ein glückseliges Ende, die Fronleichnams­bruderschaft, die Bruderschaft von der Heimsuchung Mariä sowie die Dreifaltigkeitsbruderschaft.

Kaiser Joseph II. hob 1783 alle Bruderschaften auf und legte ihre Vermögen zum Zweck der Unterstützung der Armen zu einer Einheitsbruderschaft zusammen.

Zu eben diesem Zweck wurde etwa auch 1784 ein Inventar der Sebastiani-Bruderschaft angelegt. Unter der am unteren Seitenende zu findenden Überschrift „an Pretiosen“ wird „ein kleine silberne Statuen des heil. Sebastian, mit oben gefaßter Corallen“ angeführt; dabei handelt es sich um jene Vitrine mit Silberstatuette des hl. Sebastian, die im Museum im Schottenstift in Raum 2 („Bildertausch-Raum“) ausgestellt ist. Sie ging damals in das Eigentum des Klosters über.

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Inventar der Sebastiani-Bruderschaft (1784).

Die Themenschau „Bruderschafft Zum Schotten. Die barocken Bruderschaften an der Schottenkirche“ kann von Ende Februar bis Anfang Juli 2018 im Museum im Schottenstift besichtigt werden. Der Zugang erfolgt über den Klosterladen (Freyung 6, 1010 Wien).

  1. Zur Geschichte dieser Bruderschaften: Albert Hübl, Die Bruderschaften an der Schottenkirche in Wien, in: Berichte und Mitteilungen des Alterthums-Vereines zu Wien 50 (1918) 1–21.

Erschließung und Beschreibung der Bruderschaftsunterlagen

Heute möchten wir einen Archivbestand vorstellen, der uns zuletzt verstärkt beschäftigt hat, nämlich jenen der Bruderschaften an der Schottenkirche. Für die Unterlagen der Bruderschaften wurden Ende 2017 nicht nur standardisierte Bestandsbeschreibungen erstellt, sondern sie waren auch jüngst wieder Gegenstand des Interesses mehrerer Benutzer.

In der Neuzeit war die älteste Bruderschaft an der Schottenkirche die 1471 gegründete Sebastianibruderschaft; andere mittelalterliche Bruderschaften, wie beispielsweise eine Zeche „Unserer Lieben Frau“, hatten sich wohl bereits im 15. Jahrhundert aufgelöst. In der Barockzeit kam es zur Gründung weiterer Bruderschaften an der Schottenkirche, nämlich der Bruderschaft Mariä um ein glückseliges Ende, der Bruderschaft vom hl. Benedikt um ein glückseliges Ende, der Bruderschaft von den sieben Schmerzen Mariä und der Fronleichnamsbruderschaft. Eine weitere Bruderschaft, jene von der Heimsuchung Mariä, scheint nach ihrer Gründung nicht lange Bestand gehabt und in der Bruderschaft Mariä um ein glückseligen Ende aufgegangen zu sein. Eine Dreifaltigkeitsbruderschaft schließlich, von der ebenfalls wenige Aktenstücke vorhanden sind, kam nicht über erste Gründungsbestrebungen hinaus.1

1783 hob Kaiser Joseph II. sämtliche Bruderschaften auf und vereinigte sie in der Folge zu einer großen Bruderschaft der Nächstenliebe (eigentlich „Die Liebe des Nächsten“), das hierzu eingezogene Kapital diente der Unterstützung der Armen (später Wiener Armeninstitut).

Obwohl die Bruderschaften eigenständige Institutionen waren, wurden ihre wichtigen Unterlagen im Stiftsarchiv aufbewahrt. Explizit im Stiftsinventar von 1583 erwähnt wird etwa eine eigene Lade, welche im Archiv der Sebastianibruderschaft zur Verfügung stand. Die Bestände der einzelnen Bruderschaften umfassen unter anderem Urkunden zur jeweiligen Gründung, Indulgenzen, Akten zu Reliquien und Prozessionen, Bruderschaftsstatuten und gegebenenfalls auch Akten der Aufhebungen 1783.

Wir hoffen, dass die Bestände der Bruderschaften, die nun auch der Archivtektonik entsprechend erschlossen wurden, weiterhin auf Interesse stoßen. Übrigens: Eine Silberstatuette des hl. Sebastian, die sich ursprünglich im Besitz der Sebastianibruderschaft befand, kann auch im Museum besichtigt werden.

  1. Albert Hübl, Die Bruderschaften an der Schottenkirche in Wien, in: Berichte und Mitteilungen des Alterthums-Vereines zu Wien 50 (1918) 1–21.