Archiv des Schottenstifts

Weihnachten 2017

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest, besinnliche Feiertage und alles Gute im neuen Jahr!

Ink. 216b (Hübl 96), fol. 494v
Neunte deutsche Bibel (Koberger-Bibel; Nürnberg, 1483)

Notfallplanung im Archiv

Eine der wichtigsten Aufgaben eines Archivs ist die Erhaltung seiner Bestände. Um diese auch im Archiv des Schottenstifts umfassend zu gewährleisten, sind eine ganze Reihe bestandserhaltender Maßnahmen notwendig – von entsprechenden Verpackungsarbeiten, Restaurierungen und Konservierungen haben wir im Blog in der Vergangenheit ja bereits immer wieder berichtet. Seit diesem Jahr verfügt das Archiv nun auch über eine Notfallmappe sowie eine auf diese abgestimmte, gut gefüllte Notfallbox!

Die Notfallmappe liegt im Archivbüro und im Kammeramt auf und dient in vielfältiger Weise als Anleitung zur Bewältigung eines eingetretenen Schadensereignisses – am wahrscheinlichsten eines Wasserschadens, hervorgerufen durch einen Rohrbruch oder durch Löschwasser. In der Mappe enthalten sind zunächst ein Alarmplan und eine Handlungsanweisung für die Erstreaktion, um im Moment der Entdeckung eines Notfalls rasch gezielte erste Schritte zur Rettung einleiten zu können. Weiters finden sich darin Informationen zum Umgang mit den beschädigten Beständen und zu konservatorischen Sofortmaßnahmen sowie mehrere Orientierungs- und Lagepläne. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Notfallmappe ist eine Prioritätenliste zur Notbergung – für den Fall, dass beispielsweise bei einem übergreifenden Brand noch Zeit sein sollte, für das Gedächtnis des Hauses besonders wichtige Stücke ohne Personengefährdung zu evakuieren. Hierfür wurden auch drei spezielle Evakuierungsboxen angeschafft, die immer einsatzbereit sind. Ein Infoblatt mit den Kontaktdaten von wichtigen Dienstleistern und Nachkaufmöglichkeiten von Materialien sowie eine Telefonliste schließen die Notfallmappe ab.

Ein wesentlicher Faktor bei der erfolgreichen Notfallbewältigung ist die Zeit: Nach einem Wasserschaden droht nach spätestens 72 Stunden die Gefahr der Schimmelbildung und damit die fortschreitende Zerstörung der betroffenen Unterlagen. Der beste Notfallplan ist also sinnlos, wenn mit der Umsetzung der darin beschriebenen Maßnahmen aufgrund fehlender Materialien erst nach Tagen begonnen werden kann. Um sofort mit der Rettung anfangen zu können, steht mit der Notfallbox daher ein Grundstock an benötigten Materialien (Stretchfolien, Mullbinden, Löschkarton u. v. m.) bereit. Darüber hinaus enthalten sind etwa auch Schutzausrüstung (Handschuhe, Atemschutzmasken, Schutzbrillen), einige Werkzeuge sowie eine batteriebetriebene Lampe und Knicklichter zur Notbeleuchtung.

Trotz des geleisteten Arbeits- und Kostenaufwands steht am Ende unserer Notfallplanung natürlich ein großer Wunsch: Dass Notfallmappe und Notfallbox nie wirklich in einem Ernstfall benötigt werden mögen!

Abschluss der Neuaufstellung der Handschriftensammlung

Über das seit 2014 laufende Unterfangen der Ausstattung der gesamten Handschriften- und Inkunabelsammlung mit Buchschuhen und -schubern wurde im Blog in den letzten Jahren bereits zweimal berichtet (siehe Buchschuhe für die Handschriften und Neuaufstellung der Inkunabeln). Im Dezember 2016 konnte das Projekt mit der Verpackung der neuzeitlichen Handschriften fast abgeschlossen werden – „fast“ deshalb, weil einzelne Regalbretter der historischen Bücherschrankwand noch angepasst werden mussten. Leider werden gerade die kleinen Erledigungen oftmals auf die lange Bank geschoben – so auch in diesem Fall. Mit einigen Monaten Verzögerung wurde dieser letzte Arbeitsschritt vor einiger Zeit schließlich auch noch durchgeführt, doch sind wir bislang an dieser Stelle ein kurzes Resümee weiterhin schuldig geblieben. Dies soll nun nachgeholt werden.

Die neuzeitlichen Handschriften hatten den Vorteil, dass bei Weitem nicht alle besonderer Schutzmaßnahmen bedurften. Jene fest gebundenen Handschriften ohne Einbandbesonderheiten wurden wie ganz normale Bücher in Bibliotheken ohne spezielle Schutzverpackung belassen. Zahlreiche dünne Bände hingegen teilen sich nun jeweils einen Buchschuh oder -schuber, welche hierbei weniger das Aneinanderreiben verhindern, sondern mehr der Standfestigkeit dienen sollen. Durchgehend wurden jedoch auch hier die Regalbretter mit Unterlagen aus säurefreiem Archivkarton ausgelegt.

Insgesamt wurden von 2014 bis 2016 für dieses Projekt ca. 650 Buchschuhe aus säurefreiem Archivkarton und ca. 170 Schuber aus säurefreier Wellpappe angeschafft. Mit dem Ergebnis sind wir jedenfalls sowohl in konservatorischer wie auch in ästhetischer Hinsicht sehr zufrieden.

 

Ausstellung „Gemachte Bilder“ in Zürich

Mit westlichen Darstellungen islamischer Ordensleute, meist unter dem Begriff „Derwisch“ zusammengefasst, sowie mit der Vielfalt dieser religiösen Grenzgänger und Gottesleute beschäftigt sich die Ausstellung „Gemachte Bilder – Derwische als Orient-Chiffre und Faszinosum“, welche von 22. Oktober 2017 bis 28. Jänner 2018 im Völkerkundemuseum der Universität Zürich zu sehen ist.

Als Leihgabe dort ausgestellt ist auch Cod. 647 (Hübl 442) des Schottenstifts, welcher Salomon Schweiggers „Constantinopolische und Jerusalemische Raisbeschreibungen“ (1592) enthält. In der Vitrine aufgeschlagen ist eine Doppelseite mit kolorierter Federzeichnung, die verschiedene Türckische Ordensleut zeigt. Das Werk des schwäbischen evangelischen Pfarrers Schweigger wurde 1608 gedruckt.

Cod. 647 (Hübl 442)
Salomon Schweigger: Constantinopolische und Jerusalemische Raisbeschreibungen (1592)

Zur Ausstellung ist auch eine Begleitpublikation von Andreas Isler und Paola von Wyss-Giacosa erschienen, die über das Völkerkundemuseum bestellt werden kann.

> > > Webseite der Ausstellung

 

Tagungshinweis November 2017: „Kultur bewegt“

Am 29. November 2017 findet im Kardinal-König-Haus in Wien im Rahmen der Herbsttagung 2017 der Ordensgemeinschaften Österreich die diesjährige Informationstagung des Referats für die Kulturgüter der Orden zum Thema „Kultur bewegt – Glaubenszeugnisse zum Anfassen“ statt. In mehreren Vorträgen wird der Frage nachgegangen, auf welche Weise Kulturgüter Gedächnis- und Verkündigungsorte für Ordensleben sein können. Das vollständige Programm gibt es hier.

Tagungshinweis November 2017: „Kleine Archive – große Herausforderungen“

Am 10. November 2017 findet unter dem Titel „Kleine Archive – große Herausforderungen“ der 8. Niederösterreichische Archivtag im Hypo Panoramasaal in St. Pölten statt. Veranstalter sind das NÖ Landesarchiv und das NÖ Institut für Landeskunde. Auch Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier, der Autor dieser Zeilen, wird einen Vortrag zum Thema „Profilierung und Positionierung von kleinen Archiven“ halten. Das vollständige Programm gibt es hier.

Artikel über Chancen und Herausforderungen eines Archivpraktikums

Im Jänner dieses Jahres hielt Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier, der Autor dieser Zeilen, bei einem Studientag einen Vortrag über Praktika im Archiv. Vor kurzem ist nun das bearbeitete Vortragsmanuskript als Aufsatz in den Mitteilungen des Referats für die Kulturgüter der Orden (MiRKO) erschienen und kann online heruntergeladen werden:

Maximilian Alexander Trofaier, Chancen und Herausforderungen eines Archivpraktikums. Vorschläge aus der Praxis eines kirchlichen Ein-Personen-Archivs, in: MiRKO 2 (2017) 69–76.

Neuer VÖA-Vorstand

Bei der diesjährigen Generalversammlung des Verbands Österreichischer Archivarinnen und Archivare (VÖA) fand auch die Neuwahl des Vorstands statt. Neue Präsidentin des Verbands ist Karin Sperl vom Burgenländschen Landesarchiv. Stiftsarchivar Maximilian Alexander Trofaier wurde wie bereits in der zu Ende gegangenen Periode erneut in den Vorstand gewählt und bekleidet dort nun zudem das Amt des stellvertretenden Kassiers.

Ein Brief der Weltreisenden Ida Pfeiffer

Anlässlich ihres Geburts- und Todestages im Oktober werfen wir einen Blick auf ein autographes Schreiben der berühmten Wiener Weltreisenden Ida Pfeiffer (14. Oktober 1797 – 27. Oktober 1858), welches sich im Stiftsarchiv erhalten hat (Scr. 206 Nr. 37).

In dem Brief aus dem Jahr 1850 wendet sich Pfeiffer an den Kustos der naturhistorischen Sammlung des Schottengymnasiums, P. Ferdinand Breunig. Ihre erste Weltreise nach Südamerika, China, Ostindien, Persien und Kleinasien lag zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre zurück und sie befand sich gerade in der Planung ihrer zweiten Weltreise, zu der sie 1851 aufbrechen sollte. Von ihren Reisen brachte Pfeiffer einige tausend Naturalien aus aller Welt mit nach Wien, die sie den europäischen Museen zum Kauf anbot. In diesem Zusammenhang steht auch der vorliegede Brief: Sie bittet darin den Adressaten, mit dem Abt abzuklären, ob das Schottenstift am Kauf von Objekten interessiert sei, die P. Ferdinand zusammen mit einem nicht namentlich genannten „Professor“ bereits einige Zeit zuvor bei ihr besichtigt habe.

Tatsächlich war man seit 1848 bemüht, die naturhistorische Sammlung des Gymnasiums, ausgehend von einem kleinen Grundstock an Objekten, kontinuierlich durch Ankäufe und Schenkungen auszubauen.1 1850 bot sich offensichtlich eine hervorragende Gelegenheit, weitere seltene Naturalien anzuschaffen. Ob im Anschluss an die Korrespondenz mit Ida Pfeiffer ein Kauf tatsächlich zustande kam, wissen wir aber leider nicht. Es ist jedenfalls durchaus möglich, dass einige der Objekte, die heute im Naturgeschichtlichen Kabinett des Museums im Schottenstift ausgestellt sind, im Gepäck von Ida Pfeiffer ihren Weg nach Wien gefunden haben.

  1. Martin Czernin, Das Naturgeschichtliche Kabinett, in: Museum im Schottenstift. Kunstsammlung der Benediktinerabtei Unserer Lieben Frau zu den Schotten in Wien, hg. von dems. (Wien 2009) 28–33.

Gesamtbibliographie zum Schottenstift

Lange wurde daran gearbeitet, nun konnte endlich ein (Zwischen-)Ergebnis veröffentlicht werden: Auf der Website des Schottenstifts kann seit Kurzem eine Gesamtbibliographie zum Kloster heruntergeladen werden:

Gesamtbibliographie zum Wiener Schottenstift, zusammengestellt von Maximilian Alexander Trofaier (Wien 2017).

Selbst die bisher umfangreichsten Bibliographien, etwa jene in der Germania Benedictina, konnten relevante Publikationen nur im Ansatz erfassen; zudem mangelt es ihnen häufig an einer übersichtlichen Struktur. Die nun vorliegende Gesamtbibliographie ist daher der Versuch einer Dokumentation aller auf das Schottenstift oder seine Einrichtungen und Werke bezogenen Publikationen.

Die Struktur der Bibliographie erscheint dabei verdoppelt: Im ersten Abschnitt werden Veröffentlichungen genannt, die sich vorrangig mit den verschiedenen Aspekten des Schottenstifts beschäftigen. Darin enthalten sind Unterabschnitte zu Überblicks- und Einzeldarstellungen zur allgemeinen Stiftsgeschichte, zur Schottenkirche und Schottenpfarre, zu den Besitzungen des Klosters, zu Schule und Unterricht, zu den Sammlungen des Klosters, zu den inkorporierten Pfarren sowie zu Äbten und Konventualen. Hingegen sind unter „Allgemeine Literatur“ solche Publikationen aufgeführt, die sich prinzipiell mit anderen Themen beschäftigen und das Schottenstift lediglich erwähnen bzw. am Rande berühren. Vor allem in letzterem Abschnitt ist Vollständigkeit aber keinesfalls möglich.

Die Gesamtbibliographie soll vom Archiv in Zukunft laufend ergänzt werden, Hinweise auf weitere Titel (auch älteren Datums) werden daher gerne angenommen.