Gymnasialbibliotheken und -archive

Zur Bibliothek der Hermann-Tast-Schule in Husum

Die Hermann-Tast-Schule in Husum, Nordfriesland, verzeichnet das Jahr 1527 als ihr Gründungsjahr und als Gründer den Husumer Protestanten und Reformator Hermann Tast (1490—1551), dessen Namen die bis dahin als Gelehrtenschule Husum firmierende Anstalt 1914 bekam. Wie alle im Geist der Reformation gegründeten Schulen sah sich auch diese dem humanistischen Motto ad fontes verpflichtet, d. h. junge Bürger in die Lage zu versetzen, das Neue Testament und die Philosophen im griechischen Urtext zu lesen. Deshalb verfügte sie im Laufe ihrer Zeit über eine stattliche Bibliothek.

Julius Grelsdorf: Gelehrtenschule Husum (Zeichnung, 2. Hälfte 19. Jh.) Gelehrtenschule Husum, später Hermann-Tast-Schule, um 1900

Das erste Schulgebäude – vorher, so wird vermutet, sei im Privathaus unterrichtet worden – wurde 1586 gebaut. 1876 bekam die Schule ein neues Gebäude, das alte, das Theodor Storm noch besucht hatte, wurde abgerissen, nur die alte Steintafel mit der Inschrift Gelehrtenschule wurde weiter auch  im neuen Gebäude mitgeführt. 1974 zog die Schule in einen modernen Zweckbau um, das Gründerzeitgebäude wird heute als Luxushotel genutzt.1

Hermann Tast2 , Marienkirche Husum

Über die Geschichte der Schule und die ihrer insgesamt drei Gebäude informiert die Homepage der Schule zufriedenstellend.  Einen Abschnitt zur — so zumindest dem Fabian-Handbuch zu entnehmenden3: — bemerkenswerten historischen Bibliothek und ihrer Geschichte sucht man auf der Homepage vergebens. Bei genauerem Hinsehen findet man einen Abriss der Bibliotheksgeschichte auf einem Flyer des Fördervereins der Bibliothek, auf deren Seite verlinkt als Pdf.4

1763 wurde mit dem Aufbau einer Schulbibliothek begonnen, regelmäßige Legatgelder und Spenden von Husumer Bürgern vermehrten den Bestand. 1822 wurden um die 6000 Bände verzeichnet, Sammlungsschwerpunkte waren Klassische Philologie und Theologie. Ein erster Katalog wurde 1864 erstellt durch den von der dänischen Regierung bestallten Direktor Taaffe; dieser Katalog wurde erst im Jahr 2000 entdeckt. Ein systematischer Katalog 1902/1904 erfasste etwa 13.000 Bände in 20 Bestandsgruppen. Als die Bibliothek 1974 in ihr jetziges Schulgebäude umzog, war der Bestand auf 20.000 Bände angewachsen. Seit 2000 wird der Bibliotheksbestand digital erfasst und in einem Katalog auch im Internet zugänglich gemacht, dort ist z. B. auch eine erst im Zuge der digitalen Erfassung entdeckte Inkunabel von 1497, enthaltend zwei Schriften des Savonarola5, nachgewiesen.6

Literatur

P[eter] Friedrichsen: Ueber die Entstehung, allmählige Vermehrung und den jetzigen Zustand unserer Schulbibliothek. In: Husum. Gelehrtenschule. Schulprogramm Ostern 1822, S. 1-26

O[ttokar] Poeppel: Die Bibliothek der Hermann-Tast-Schule. In: Karl Ernst Laage und Volkmar Hand (Hrsg.): Gelehrtenschule 1527-1977.
Hermann-Tast-Schule. Zum 450jährigen Bestehen der Schule. Husum 1977, S. 32-36

Ferdinand Trömel: Das Buch- und Pressewesen im alten Husum. Mit einer Husum-Bibliographie. Husum 1975, S. 8-9, 19-21

Abbildungen

Beitragsbild: Hermann-Tast-Schule Husum, 2010 (Foto: Goegeo, Quelle + Lizenz); die beiden Schulgebäude: Storm-Archiv, Husum (Quelle);  Gemälde von Hermann Tast in der Marienkirche, Husum (Quelle + Lizenz).

Weblinks

Alwin Müller-Jerina: Bibliothek der Hermann-Tast-Schule (Stand:1994). In: Fabian-Handbuch der historischen Buchbestände. 2003 (online)

Homepage der Hermann-Tast-Schule, Husum

Wikipdia: Hermann-Tast-Schule

Anmerkungen
  1. Homepage der Schule: Schulgeschichte #Die Gebäude der HTS
  2. Homepage der Schule: Schulgeschichte#Wer war Hermann Tast?
  3. Fabian-Handbuch: Bibliothek der Hermann-Tast-Schule
  4. Homepage der Schule: Förderverein der Bibliothek, Pdf
  5. GW M40669 und M40675; die Bibliothek der HTS hält insgesamt laut Gesamtkatalog der Wiegendrucke sieben Inkunabeln. Siehe dazu auch bei bibliotheca.gym: Liste der Gymnasialbibliotheken mit Inkunabelbeständen
  6. Katalog der Hermann-Tast-Bibliothek online

Die Schatzkammer: Die ehemalige Jesuiten-Kolleg-Bibliothek

An diesem Ort kommt so etwas wie eine sakrale Stimmung auf. Wie beim alten Tempel in Jerusalem muss man mehrere Räume passieren, ehe man zum Allerheiligsten gelangt.[…]

So beginnt der Verfasser seinen kurzen Abriss der Geschichte der historischen Buchsammlung im Gymnasium St. Michael in Bad Münstereifel.

Die Jesuitenbibliothek im Gymnasium St. Michael, Bad Münstereifel

Die Geschichte dieser Bibliothek begann im Januar1661 mit einem Geschenk von Johann Friedrich von Goltstein1 an die Jesuiten, die am 29. September 1625, dem Michaelistag,  die Schule als ihr Kolleg gegründet hatten: mit der freiherrlichen Neujahrsgabe einer lateinischen Ausgabe der Schedelschen Weltchronik, Nürnberg 1493.

Die im Altbau des Gymnasiums untergebrachte Sammlung umfasst heute 22 Handschriften, 76 Inkunabeln sowie etwa 1.800 Bücher des 16. bis 18. Jahrhunderts. Darunter befinden sich zum Beispiel Werke zu den Hexenverfolgungen, neben dem Hexenhammer von 1494 weitere Hexenliteratur des 17. Jahrhunderts. Von einem Hexen-Druckwerk aus dem Jahr 1676, so heißt es, seien weltweit nur zwei Exemplare erhalten. Es wurde von einem Münstereifeler Kaufmann verfasst, der selbst als Hexer angeklagt gewesen und geflohen war. 2

Fotos

Beitragsbild: Gymnasium St. Michael in Bad Münstereifel (Teilansicht). Foto: Klaus Littmann, 2011 (Quelle + Lizenz)

Jesuitenbibliothek: Oldest books in the Jesuitenbibliothek of the St. Michael-Gymnasium in Bad Münstereifel, Germany. (Foto: E.Plum, 2006 (Quelle + Lizenz)

Anmerkungen
  1. † 1687
  2. Harald Bongart: Jesuitenbibliothek. Homepage des St. Michael-Gymnasiums

Bibliothek des Niedersächsischen Internatsgymnasiums, Bad Bederkesa

Das Niedersächsische Internatsgymnasium (NIG) in Bad Bederkesa hält eine Schulbibliothek mit historischem Altbestand. Das Fabian-Handbuch kennt diese Bestände nicht, die Schulhomepage hält sich bedeckt, auch ein angebotener Katalog lässt den neugierigen Besucher nicht fündig werden. Allerdings sind die Verfassernamen in die Wikipedia verlinkt, immerhin.1

Informationen zur Bibliothek bieten die leseorte.de an: https://www.leseorte.de/bibliothek/bibliothek-des-niedersaechsischen-internatsgymnasiums/2

Beitragsbild

Niedersächsisches Internatsgymnasium Bad Bederkesa.  © Foto: Ra Boe / Wikipedia / Lizenz: Creative Commons CC-by-sa-3.0 de

Anmerkungen

  1. bib.nig: Wikipedialink zum Verfasser
  2. LESEORTE – Bibliotheksportal Elbe-Weser-Dreieck, Landesverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden

Historische Bibliothek: Pflege des Schularchivs

Mediengruppe Kreiszeitung berichtet bei kreiszeitung. de am 18. September  2020 über die Bibliothek des Domgymnasiums in Verden:

Große und kleine, bedeutende und besondere Schätze beherbergt die historische Bibliothek des Domgymnasiums. Doch der Keller, wo der umfangreiche Bestand in Regalen aufgereiht ist, ist feucht. Es schimmelt, was den Büchern und Akten nicht guttut. Doch Hilfe ist in Sicht: Das umfangreiche Schularchiv wird ausgelagert, einer intensiven Pflege unterzogen und danach, so eine weitere gute Nachricht, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Und auch die Pläne für einen Neubau, in dem nicht nur die Akten, sondern vor allem die wertvollen Bücher einen ordentlichen Platz finden, kommen voran. […]

(Zum vollständigen Artikel bei kreiszeitung.de; siehe dazu auch den Weser-Kurier vom 26. Juni 2020)

• Weiteres zur historischen Bibliothek des Domgymnasium in Verden siehe #Verden

Homepage der Bibliothek

Ausstellung in der Historischen Bibliothek Rastatt

Die wundervolle historische Bibliothek in Rastatt ist eine kleine Reise wert titelte die Rheinpfalz am 20. August 2020:

Die „Historische Bibliothek“ in der barocken Residenzstadt Rastatt führt ein unverdientes Schattendasein. Derzeit ist eine Sonderausstellung zu sehen, die als Motto zur Corona-Zeit dienen kann: „Warum in die Ferne schweifen?“

Der Rest verschwindet leider im Nebel hinter der Bezahlschranke.  Zur Bibliothek bei bibliotheca.gym: https://histgymbib.hypotheses.org/tag/rastatt

Gott mit dir du Land der Bayern

Die Bayernhymne, offizielle Hymne des Freistaats Bayern,  lässt sich bei YouTube anhören, mannigfaltig (sogar mit Papst) geschmettert.  Eine instrumentale Fassung hat eine ausführliche Beschreibung, in der wir Folgendes zur Geschichte dieser Hymne erfahren (fleißig abgeschrieben aus der Wikipedia oder umgekehrt – das Internet ist voller gleich- und ähnlichlautender Darstellungen):

[…] Die Originalsätze galten bis 1995 als verschollen, dann entdeckte der Archivar der Bürger-Sänger-Zunft (BSZ), Johannes Timmermann, die ältesten Noten der Hymne im BSZ-Archiv und anschließend die originalen Kompositionen von Kunz für Chor und Symphonieorchester im Altbestand einer Gymnasialbibliothek, der gerade an die Bayerische Staatsbibliothek abgegeben worden war. […]

Da würde uns nun interessieren, welches bayerische Gymnasium Anfang/Mitte der 1990er Jahren seine historischen Bibliotheksbestände an die BSB abgegeben hat. Hinweise werden dankbar entgegengenommen.

Eine alte Universität

Die hohe Schuhle zue Freyburge

(Schaut her: hier ist überall geheizt! Seht das Thesenblatt, das am Tor flattert, das Tor ist offen: Sei willkommen, tritt ein, lerne und disputiere! Schau nach der Au, dann findest du den Weg.) 

Mir gefällt diese hübsche  aquarellierte Federzeichnung von 1799 mit dem  liebevoll ausgeführten Straßenpflaster und den kräftig dampfenden Schornsteinen – eine selbstbewusste visuelle Einladung ins akademische Haus. Das Blatt (so wie auch die Zeichnung der alten Schule im vorherigen Beitrag) stammen aus derselben Feder und illustrieren folgenden Band:

Joseph Felizian Geissinger (1740-1806): Orbis Litteratus Academicus Germanico Europaeus Praecipuas Musarum Sedes Fundationes Privilegia Sigilla Prototypis Conformia. [Buchholz?], 1799. (Quelle: Freiburger historische Bestände – digital. Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Zu dem Illustrator Geissinger erfahren wir nicht viel. Die Deutsche Biographie hat lediglich einen Eintrag im Index, dort indes der Verweis auf die Deutsche digitale Bibliothek, die uns immerhin einiges von Geissingers Arbeiten zeigen kann.  Im Eintrag der DNB findet sich eine kurze biographische  Information: Pfarrer; Sohn des Schneiders Karl Joseph Geissinger, 1773 in Meersburg zum Priester geweiht, Vikar in Bleichheim und Kappel und seit 1783 Pfarrer in Buchholz, fertigte 1787 Abschriften der Epithaphien im Freiburger Münster und kolorierte Federzeichnungen dort befindlicher Gegenstände und Kunstwerke an.

Rätsel: eine alte Schule

Wer kann es erraten: Um welches Gymnasium handelt es sich?

Hilfen: 1. die Zeichnung stammt von 1799 und 2. die Schule gehörte zu einer der ältesten Universitäten unseres Landes.

(Mit Dank an Klaus Graf, der nicht mitraten darf…)

Zusatzfrage: Wie ist das Wort in der Mitte des Spruchbands zu lesen: …der… oder …oder…?

Beschreibstoff Pergament

Bei Archivalia gefunden:  einen Beitrag zur Geschichte des Beschreibstoffs Pergament mit zwei Links, zum einen zu einem Text und zum anderen zu drei Videos, alle englischsprachig.

Hieronymus (re) beim Pergamenthersteller (Hamburger Bibel MS, GKS 4, vol. I-III, 2°. Fol. 183v. Königliche Bibliothek Kopenhagen)

Für (vor allem in Norden gern mal) verregnete Julitage im Sommerferienloch eventuell ein hübsches Thema zum Fortbilden bzw. für Ideen zur Vermittlung alten Schriftguts an Schüler. Das Netz bietet auch Deutschsprachiges zur Herstellung und Geschichte des Pergaments, via Google in Text und Bild zu finden. Hier eine kleine Auswahl:

Literatur

Gedruckte Darstellungen zur Geschichte und Herstellung von Pergament sind dem Alter des Beschreibstoffs entsprechend überaus zahlreich. Einen Überblick bietet die

  • Internationale Bibliographie zur Papiergeschichte (IBP) Berichtszeit: bis einschließlich Erscheinungsjahr 1996. Bearbeitet von: Elke Sobek und Frieder Schmidt. De Gruyter Saur 2003.  (DOI; teilweise online via google books)

Fundstück bei google books:

Beitragsbild

Urkunde eines Notars (Detail), Pergament, 16. Jahrhundert. (Quelle + Lizenz)