Gymnasialbibliotheken und -archive

Wir trauern um Heike Endermann (1965 – 2021)

„Rastatter Runde“ in der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Oktober 2018 mit Heike Endermann (2. v. r).

Im Frühjahr 2018 traf ich Heike Endermann zum ersten Mal. In der Historischen Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium, die sie leitete, wurde die Idee konkret, ein „Netzwerk Historische Schulbibliotheken” zu gründen, das dann im Herbst in einer ersten Rastatter Runde installiert wurde.  Sie hat sich weiter mit Beiträgen für diese Runde und fürs Blog bibliotheca.gym engagiert. Um so bestürzender ist die kürzliche Nachricht aus Rastatt gewesen, dass Heike Endermann  verstorben ist.

Heike Endermann, geboren am 16. März 1965 in Jena, studierte zwischen 1989 und 1995 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena klassische Philologie, daran anschließend von 1998 bis 2002 die lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit. Im Jahr 2000 wurde sie von der Humboldt-Universität Berlin als Wissenschaftliche Bibliothekarin graduiert. 2001 und 2002 wirkte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin  im Rahmen des Editionsvorhaben „Landesgeschichtsschreibung und  Landesbewusstsein in Thüringen im späten Mittelalter“ des Lehrstuhls für Mittelalterliche Geschichte/Thüringische Landesgeschichte am Historisches Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena.  2002 war sie am Handschriftenprojekt der DFG „Beschreibung von Handschriftenfragmenten des Schlossmuseums Sondershausen“ in Jena beteiligt.  Seit 1.  Oktober 2002 war als sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittel- und Neulateinische Philologie im Institut für Klassische Altertumswissenschaften der Martin-Luther-Universität Halle tätig. 

Ab 2007 war ihr die Historische Bibliothek der Stadt Rastatt im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium anvertraut, zunächst als Mitarbeiterin des Leiters Hans Heid, nach dessen Pensionierung 2013 betreute sie die ca. 80.000 Bände umfassenden Bibliotheksbestände bis zu ihrem  Tod allein. Arne Pfirrmann, Bürgermeister der Stadt Rastatt, würdigte Heike Endermanns Verdienste um die Bibliothek in einem Nachruf so:

„Mit großer Fachkompetenz und beispielhaften persönlichen Einsatz hat sie dei Historische Bibliothek einem breiten Publikum geöffnet. Die von ihr betreuten Ausstellungen, Vorträge und Rundgänge fanden eine grße Beachtung und viel Zuspruch im Kulturkalender der Barockstadt.”

So zeichnete Heike Endermann verantwortlich für zahlreiche Sonderausstellungen in Rastatt, wie unter anderem die Begleitausstellung mit Vortragsreihe zum Lutherjahr 2017 unter dem Titel „Das bewegte 16. Jahrhundert und seine Folgen“. Regelmäßige Veranstaltungen in der Bibliothek, wie zum Beispiel turnusmäßige Angebote an die Rastatter Bürger, nach der Arbeit in die Bibliothek zu kommen, wo man dann alte Drucke und sogar Handschriften aus der Nähe betrachten konnte, und Führungen durch den Bestand wurden Teil des festen Kulturangebots der Stadt. Breitere Kreise des Publikums erreichte sie überdies durch eine Artikelserie im Badischen Tagblatt, in der sie seit 2014 in mehr als zwei Dutzend Folgen die „Schätze der Historischen Bibliothek“ veranschaulichte. Dem wissenschaftlichen Publikum stellte sie 2019 die Historische Bibliothek in Hiram Kümpers an der Universität Mannheim erscheinenden Periodikum  „Zeitarbeit“ vor.

Am 15. März 2021 ist Heike Endermann gestorben, einen Tag vor ihrem Geburtstag, an dem sie 56 Jahre alt geworden wäre. Über ihre vielen Verdienste hinaus, um die sie nie viel Aufhebens machte, behalten ihre Kollegen und ihre Freunde sie  als eine besondere und liebenswürdige Persönlichkeit in Erinnerung. Heike Endermann war ein feiner Mensch mit Herz und Humor, wir vermissen sie sehr.

Mit Karzer und Bibliothek – 600 Jahre Petrinum in Recklinghausen

Das Gymnasium Petrinum in Recklinghausen wird in diesem Jahr 600 Jahre alt. Eine Publikation zeigt die Schulgeschichte in 100 Objekten. Dazu gibt es einen etwa 12-minütigen Film, der ab ca. min. 6:50 zu den seltenen Flurwaschbecken, in den erhaltenen Karzer und in die historische Lehrerbibliothek führt, und zwar mit dem kundigen Lotsen Marco Zerwas, Lehrer, promovierter Historiker und Bibliothekar der Anstalt.

Schularchive-Wiki

Quelle + Lizenz

Das Schularchive-Wiki wird 2020/21 gefördert im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen von Wikimedia Deutschland. Das Wiki wird betrieben von der BBF | Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, dem Informationszentrum Bildung des DIPF und dem Institut für Historische Bildungsforschung an der Ruhr-Universität Bochum

Eventuell auch für die Hüter der historische  Schulbliotheken mit deren archivalischen Beständen interessant?

Workshop am 26. März 2021

Bücherjäger. Kampf um das Wissen der Welt

Wie man Infektionen durch Bibliotheksbücher verhindert…

Michael Knoche,  von 1991 bis 2016 Direktor der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, schildert unter dem Titel I can’t get no disinfection  in zwei Lieferungen wunderliche Apparaturen, mit denen man versuchte, die von schmutzigen fremden Leser-Fingern verseuchten Buchblätter zu entkeimen.  Amüsante und lehrreiche Lektüre:

  I can’t get no Disinfection (1)

I can’t get no Disinfection (2)

Beitragsbild: Klaus Graf (Quelle + Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Notizen zur Bestandserhaltung

Historischen Schulbibliotheken fehlen nicht selten die Strukturen zur Erhaltung ihrer Altbestände. Ein paar Links zum Einarbeiten in einen komplexen Sachverhalt (Zeit & Muße sind mitzubringen…):

Ressourcen

• Eine Sammlung von online-Publikationen  (dt, en, fr): https://www.bestandserhaltung.eu/resources.html

• • Dabei theoretische Einführungen in einen komplexen Sachverhalt:    https://www.fh-potsdam.de/fileadmin/be_hilfe_redakeurhandbuch/Fernweiterbildung_FB5/AiB7-   Glauert_Strategien_der_Bestandserhaltung.pdf

•• Strategien: https://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/11407/

Beratung in Strategie und Finanzierung

•  Koordinationsstelle zur Erhaltung schriftlichen Kulturguts (KEK), Berlin, siehe dazu auch KEK Partner und Netzwerke, Liste der KeK-Beauftragten (Stand 2019, Pdf)

• Deutscher Bibliothekarsverband (dbv) : Kommission Bestandserhaltung

Restauratoren

Im Verband der Restauratoren (VDR) lassen sich  Buchrestauratoren in der Region ermitteln.

Literatur

Literatur zum Thema ist durchaus zahlreich. Leider wurde das Forum Bestandserhaltung, initiiert von Reinhard Feldmann, unterdessen aus dem Netz genommen, das  international bibliographisch informativ gewesen ist.  Ich persönlich habe ein Lieblingsbuch, aus dem ich seinerzeit viel habe lernen können:

Almuth Corbach (Hrsg.): Auch Bücher altern. Bestandserhaltung in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Harrassowitz, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-447-06682-2 (leider vergriffen)

Anmerkung

Zur Planung, Finanzierung und Durchführung von Maßnahmen ist ein jeweils zu erstellendes Konzept hilfreich (Beispiel, 2012, Pdf,  dem aber noch die notwendige kurze Beschreibung der Bibliotheksbestände insgesamt fehlt, sofern kein allgemeines Bibliothekskonzept vorliegt).

Schulbibliotheken ignorieren das Bibliothekswesen

Unter diesem Titel verlinkt Archivalia folgenden Artikel:

Karsten Schuldt: Schulbibliotheken in der Bibliotheksstatistik – Wird die Realität in den Schulen pfadabhängig übergangen? Bei: Bibliotheken als Bildungseinrichtung, 22. Januar 2021.

Klaus Graf (Archivalia) schreibt dazu:

Dieser ganze Empirie-Rant von Herrn Sch. ändert aber nichts daran, dass es aus meiner Sicht höchst wünschenswert ist, Schulbibliotheken und das Bibliothekswesen enger zu verzahnen – und digital zu öffnen.

Und was meinen die Kollegen aus den Gymnasialbibliotheken dazu?

Siehe dazu:  Deutsche Bibliotheksstatistik (DBS) erfasst ab 2021 Daten zu Schulbibliotheken in Deutschland

Beitragsbild: Miniatur-Handpressen, Historische Bibliothek der Stadt Rastatt

Hinter der Weltliteratur – Makulatur in einer Cicero-Werkausgabe aus der historischen Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld

Benjamin Magofsky / Dennis Burrichter

Wer beim Titel dieses Artikels bahnbrechende, neue Erkenntnisse der Philologien oder eine metaphorisch geschliffene Auseinandersetzung mit bedeutenden Werken der Weltliteratur erwartet, der wird gewiss enttäuscht werden. Manchmal verbirgt sich hinter großen Werken der Weltliteratur, hinter stilbildenden Meistern wie Cicero…

… bloß das Werk eines freigelassenen Sklaven wie Phaedrus. Nein, dabei handelt es sich keineswegs um Betrug oder einen gezielten Täuschungsversuch – im Gegenteil: „CICERONIS OPERA“ steht auf dem Buchrücken der zwischen 1814 und 1823 erschienenen zwanzigbändigen lateinischen Ausgabe der Werke des M. Tullius Cicero (106–43 v.Chr.)1 aus der historischen Schulbibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld (s. Abb. 1) – und Ciceros Werke sind auch hinter dem Buchdeckel.

Abb. 1: M. Tullii Ciceronis opera … 1814–1823 (Foto: unrestaurierter Zustand, 2019; Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).

Der vorliegende Artikel stellt auch keine Untersuchung der vorliegenden Werkausgabe selbst dar – das wäre in Anbetracht dieser wenig kostbaren Edition vergleichsweise unergiebig; vielmehr geht es um die Makulatur, die hinter den im Laufe der letzten 200 Jahre stark beschädigten, z.T. seitlich aufgeplatzten Buchrücken zum Vorschein kommt.

Dazu wird im ersten Teil zunächst die Bedeutung der Werke Ciceros im Kontext des Lateinunterrichts im 19. Jahrhundert umrissen, bevor im zweiten Teil untersucht wird, welche Texte als Makulatur zur Stärkung der Buchrücken dieser Ausgabe verwendet wurden. Der Artikel soll damit zum Verständnis dessen beitragen, inwieweit auch Schulbibliotheken durch eine Analyse des „Abfalls“ hinter den Buchrücken einen kleinen Teil zur Buchgeschichte beitragen können.

I Weltliteratur

Der Zettelkatalog der heute vor 268 Jahren gegründeten, inzwischen über 25.000 Bände umfassenden historischen Schulbibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld2 zählt eindrucksvolle 144, zum Großteil mehrbändige Titel von Cicero – 102 davon in lateinischer Sprache, das älteste Exemplar eine Postinkunabel aus dem Jahre 1515.3 Doch warum weist die Bibliothek damit mehr Bücher von Cicero als von jedem anderen Autor der Weltliteratur auf – Goethe und Schiller inklusive? Ohne an dieser Stelle einer detaillierten Analyse der Cicero-Lektüre am heutigen Ratsgymnasium Bielefeld vorgreifen zu wollen,4 wird man den Grund vorrangig in Ciceros hoher historischer und altphilologischer Bedeutung zu suchen haben.

Cicero gilt als bedeutendster Rhetor und „größter Philosoph“5 Roms. Seine Reden, rhetorischen und philosophischen Schriften, aber auch seine Briefe sind nicht nur unschätzbare Zeugnisse ihrer Zeit, sondern erweitern auch „den geistigen Horizont des Römertums nach verschiedenen Richtungen.“6 Bereits Quintilian (ca. 35–96 n. Chr.), der erste staatliche Rhetorikprofessor Roms, lobte die rhetorischen Fähigkeiten Ciceros und erklärte den Gefallen an ebendiesem als Gradmesser für eigenen Fortschritt: ille se profecisse sciat, cui Cicero valde placebit (inst. 10, 1, 112).7 Später erhoben die Humanisten Ciceros auf inhaltlich anspruchsvollem Niveau verfasste, sprachlich künstlerische Literatur sowie deren Stil, Wortschatz und Ausdrucksweise „zur allgemeinen Richtschnur ihres Sprachgebrauchs“8, gehörten aus ihrer Sicht doch „sowohl das intensive Studium der antiken Sprachen, insbesondere des Lateinischen, als auch seine virtuose Beherrschung in Schrift und Rede zur menschlichen Vervollkommnung hinzu.“9 Folgerichtig stellten Ciceros Schriften nicht nur die am meisten gedruckten antiken Texte der Inkunabelzeit,10 sondern gelten auch nicht ohne Grund noch heute als Inbegriff der Goldenen Latinität.

Doch selbst wenn die rhetorischen Leistungen Ciceros unbestritten sind, gab es immer wieder auch Kritik an seiner vermeintlichen Haltung, die ihn beispielsweise mal das imperium des Pompeius, mal die clementia Caesars öffentlich loben ließ: „Als Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht, hat er nacheinander als Demokrat, als Aristokrat und als Werkzeug der Monarchen fungiert und ist nie mehr gewesen als ein kurzsichtiger Egoist.“11 Man darf diesbezüglich jedoch nicht vergessen, dass Cicero als homo novus, der aus dem Stand des römischen Rittertums stammte, stets die Interessen der equites im Blick hatte – und dies ohne den Rückhalt einer aristokratischen Familie sowie unter immer wieder wechselnden politischen Umständen, die ihn dazu zwangen, u.a. auch persönliche Feinde wie den römischen Politiker und General Gabinius (gest. 48/47 v. Chr.) zu verteidigen.12 Unverändert blieben in Ciceros Werken jedoch stets die innere Treue zur republikanischen Staatsordnung sowie das von humanitas geprägte Bild eines Redners.

„Cicero malte ein Ideal des öffentlich auftretenden Menschen, der über moralische Tugenden wie Milde, Würde, Gerechtigkeit und Freigiebigkeit verfügt und souverän auftritt, weil er die öffentliche Rede in all ihren politischen, literarischen, philosophischen und rhetorischen Dimensionen beherrscht.“13

Diese inhaltlichen Qualitäten waren es schließlich auch, welche die Werke Ciceros – mehr noch als deren sprachliche Vorzüge – für die Lateinschulen „als geistige Rüstkammer der bürgerlichen Kultur der Neuzeit“14 sehr bedeutend machten. So wurde das literarische opus Ciceros auch am Bielefelder Gymnasium seither durchweg gelesen und analysiert, wobei die Gewichte des Unterrichts sich zusehends von Bibeltexten und religiösen Schriften15 hin zum humanistischen Kanon der vorchristlichen lateinischen und griechischen Literatur verschoben.16 Im Zuge des Neuhumanismus nahmen am Bielefelder Gymnasium Latein und Griechisch etwa die Hälfte der gesamten Unterrichtsstunden ein.17

Dies alles hat im Rahmen der historischen Entwicklung eines humanistischen Bildungsprofils des heutigen Ratsgymnasiums zu einer breiten, vertieften und kontinuierlichen Beschäftigung mit Ciceros Werken geführt – besonders in den letzten beiden Jahrgangsstufen. So wurde beispielsweise in den acht Lateinstunden der Prima im Schuljahr 1838/39 u.a. die Lektüre von Ciceros Pro T. Annio Milone beendet sowie mit der Lektüre von Divinatio in Q. Caecilium und der ersten Rede In Verrem begonnen.18 Aber auch heutzutage nimmt die Cicero-Lektüre noch einen wichtigen Bestandteil im Lateinunterricht der gymnasialen Oberstufe ein und war bis 2019 unter den Inhaltsfeldern „Staat und Gesellschaft“, „Römische Geschichte und Politik“ sowie „Rede und Rhetorik“ im Grund- und Leistungskurs des nordrhein-westfälischen Zentralabiturs vorgesehen.19 Am Ratsgymnasium Bielefeld wird die Cicero-Lektüre darüber hinaus auch in der Einführungsphase anhand eigens gestalteter Textausgaben der vierten Philippica verfolgt.

Um diese Bedürfnisse des neuhumanistischen Unterrichts wie des wissenschaftlichen Studiums der unpolitischen, staatstreuen Lehrkräfte im politisch aufgeheizten Vormärz zu bedienen, konnte die Vorstellung einer allgemeinen Menschenbildung problemlos an historische Gegenstände – vor allem aus der idealisierten Antike – anknüpfen. Durch private Geschenke und behördliche Zuwendungen wie auch bewusste Zukäufe der Bibliothek „erlangte der Bestand an Autoren der klassischen alten Sprachen seit dem Vormärz eine zunehmende Geschlossenheit und Dichte, wenn nicht Vollständigkeit“20 ; 1842 waren beispielsweise etwa zwei Fünftel der Bestände der altsprachlichen Literatur zuzuordnen.21 Dies lässt auch Rückschlüsse auf den schlechten Erhaltungszustand mancher Bände zu,22 der zuweilen auch die Makulatur erkennbar werden lässt.

II Makulatur

Buchbinder verschiedener Jahrhunderte haben zwecks Herstellung neuer Bücher oder zur Reparatur der alten Werke als Einband oder zur Verstärkung von ebendiesem Pergament oder Papier von als nutzlos erachteten Büchern und Blättern, Handschriften sowie frühe Drucke verwendet. Da Pergament und Papier teuer waren, wurden auf diese Weise seit Erfindung des Buchdrucks zahlreiche mittelalterliche Handschriften für die Buchherstellung genutzt, bis diese Praxis im Zuge des entstehenden antiquarischen Interesses an älteren Texten als historischen Objekten im 18. Jahrhundert zunehmend zurückging,23 aber noch bis ins 20. Jahrhundert hinein weiter praktiziert wurde.24 Auch dieses Papier kann der heutigen Forschung einen Beleg dafür geben, was damalige Buchbinder und ihre Zeitgenossen als wichtig erachtet haben und was für sie demgegenüber von geringem oder gar ohne Wert war.25

Michael Thompsons Theorie des Abfalls folgend (hier in aller Kürze dargelegt), hatte die Makulatur hinter dem Buchrücken zunächst einen bestimmten Wert (etwa den Anteil am einstigen Verkaufspreis des jeweiligen Schriftstückes), ging damit aber unmittelbar in die Kategorie des Vergänglichen über, in der es entsprechend der eigenen Lebensdauer bleibt und an Wert verliert. Sobald dieser – der allgemeinen Einschätzung nach – Null erreicht, wird das Schriftstück aus dem Gebrauch genommen und befindet sich in der Müllkategorie. Irgendwann jedoch können Objekte daraus hervorgehoben und neu bewertet werden, um im Rahmen einer Werttransformation mit einer neuen zugemessenen Qualität in die Kategorie des Dauerhaften überzugehen.26

Während diesbezüglich im Ratsgymnasium die mittelalterliche Handschriftmakulatur noch auf eine professionelle Aufbereitung und systematische Fragmentsammlung wartet und frühneuzeitliches Schriftgut schon manch zufälligen, wertvollen Fund ermöglicht hat,27 kann man nicht immer Glück haben. Dies zeigt der „Abfall“ hinter der vorliegenden Cicero-Werkausgabe, dem man – so viel sei vorweggenommen – jedenfalls aus der Sicht des Jahres 2021 keinen größeren Wert beimessen kann.

In der Regel stellen die Erscheinungsjahre der Makulatur aufweisenden Werke den jeweiligen terminus ante quem dar, d.h. den Zeitpunkt, an dem das auseinandergeschnittene Buch als nutz- und (auch antiquarisch) wertlos erachtet wurde, denn: „The most telling evidence of the non-use of books is their destruction.“28 Für die uns vorliegenden Bände der Cicero-Werkausgabe wären dies dabei die Jahre zwischen 1814 und 1823. Doch handelt es sich hierbei wirklich um Makulatur, die zum Zeitpunkt des Drucks oder vielleicht später aus Restaurierungsgründen mit „unnützer“ Literatur durchgeführt wurde?

Abb. 2: M. Tullii Ciceronis opera … Tomus VIII 1815 (Foto: unrestaurierter Zustand, 2019; Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).

Bei Kalendern oder bei nicht zur Archivierung bestimmtem Geschäfts- und Briefverkehr verlief dieser Prozess der Umfunktionierung von nutz- oder wertlos erachtetem Papier relativ schnell. Dies dürfte auch auf die erste ausgewählte Makulatur hinter Band 8 zutreffen (s. Abb. 2).

Demgegenüber konnte es bei Sachbüchern und Literatur Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern, bis Bücher als „Abfall“ angesehen und zu Makulatur wurden. Einige über die Zeit durchgängig als wertvoll erachtete Werke, wie z.B. De civitate Dei des Kirchenvaters Augustinus, scheinen sogar gänzlich von dieser Zweitverwendung verschont geblieben zu sein.29 Vielen Autoren erging es indessen anders, selbst so manchen bis weit ins 20. Jahrhundert personalisierend als „große Männer“30 der Weltgeschichte angesehenen Staatsmännern und Feldherren wie Napoleon Bonaparte.

Abb. 3: M. Tullii Ciceronis opera … Tomus XVI 1817 (Foto: unrestaurierter Zustand, 2019; Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).

Dies belegt die angeschnittene Doppelseite aus den Mémoires de Napoléon im 16. Band der Cicero-Werkausgabe von 1817 (s. Abb. 3). Nach seiner Niederlage im sechsten Koalitionskrieg wurde der Kaiser der Franzosen nach St. Helena verbannt, wo er bis zu seinem Tod am 5. Mai 1821 seine Memoiren verfasste. Die hier abgebildete Seite 84 entstammt dem 5. Band der 1823 u.a. in Berlin erschienen Erstausgabe,31 in der Napoleon die Schlacht bei Valenciennes am 16. Juli 1656 thematisiert. Spätestens mit der Veröffentlichung seiner Memoiren im Jahre 1823 sollte Napoleon über Jahrzehnte hinaus eine „tiefe Prägung im kollektiven Gedächtnis“32 ganz Europas hinterlassen, indem die ihn umrankende und von seiner Propaganda modellierte Legendenbildung seine historische Bedeutung noch übertreffen sollte.33 In Frankreich verstärkten seine Memoiren maßgeblich den entstehenden Napoleon-Kult. Rechtsrheinisch trug der Widerstand gegen Napoleon in den „Befreiungskriegen“ zur Ausbildung einer nationalen deutschen Identität bei, während der Verkauf von Napoleon-Souvenirs beispielsweise der sächsischen Porzellanindustrie einträgliche Geschäfte bescherte. Leipzig selbst, der Erscheinungsort der Cicero-Ausgabe, ist ohnehin aufgrund der dortigen Völkerschlacht vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 eng mit dem Schicksal Napoleons verbunden.

Ob seine Memoiren in späterer Zeit dennoch als wertlos erachtet und seine Seiten als Makulatur verwendet wurden oder ob das Buch ein Fehldruck des Jahres 1823 und dementsprechend also tatsächlich „Abfall“ war, lässt sich nicht belegen. Da bei der Restaurierung im Jahr 2020 keine Spuren einer vorherigen Instandsetzung gefunden wurden und der Einband folglich höchstwahrscheinlich im Originalzustand vorlag, ist es mit Blick auf die nur sechs Jahre zwischen der Veröffentlichung der vorliegenden Auflage der Werkausgabe und der Makulatur sehr wahrscheinlich, dass die Cicero-Bände über einen längeren Zeitraum verkauft und lediglich Teilauflagen mit Makulatur wie den Napoleon-Memoiren aufgebunden wurden.34

Das dritte Beispiel entstammt der Literatur – und zwar sogar der lateinischen (s. Abb. 4). So findet sich hinter dem losen Buchrücken des 19. Bandes der Cicero-Ausgabe ein Auszug aus dem vierten Buch der Fabulae des Phaedrus (ca. 15 v.Chr.–50 n.Chr.). Dabei erkennt man auf der linken Seite einige Verse der Fabel Vulpes et Draco (4, 21), in der ein Fuchs, der sich ein Lager bereiten möchte, schließlich auf die finstere Höhle eines Drachen stößt. Dieser bewacht fernab des Tageslichts ohne Schlaf und Lohn nur auf Geheiß Jupiters tief verborgene Schätze, was den Fuchs zu der Annahme verleitet, dass der Drache anscheinend aus dem Zorn der Götter hervorgegangen sei. Die Antwort des Dichters hierauf lautet wie folgt: Abiturus illuc, quo priores abierunt, / Quid mente caeca miserum torques spiritum? (4, 21, 16f.) – dann fährt er mit einer direkten Anrede fort, die den Geiz als Laster verdeutlicht: Tibi dico, Avare, gaudium heredis tui (4, 21, 18).

Abb. 4: M. Tullii Ciceronis opera … Tomus XIX 1815 (Foto: unrestaurierter Zustand, 2019; Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).

Auch in der Fabel De Simonide (4, 23), die sich auf der rechten Seite der Makulatur finden lässt, geht es um menschliche Besitztümer. So antwortet der griechische Dichter Simonides von Keos (557/556–468/467 v.Chr.), nachdem sein Schiff in einem Sturm gekentert ist und all seine Gefährten damit beschäftigt waren, ihr Hab und Gut aufzusammeln, auf die besorgte Frage, ob er denn nichts von seinen Schätzen mitnehmen wolle: Mecum […] mea sunt cuncta. (4, 23, 14). Während nur wenige seiner Gefährten entkommen, da sie unter der Last ihrer Schätze zugrunde gehen, und wieder andere auf dem Weg ausgeraubt werden, gelangt Simonides schließlich vollkommen unbeschwert in die Stadt Klazomenai. Dort wird er von einem Literaturliebhaber aufgenommen und mit allem Notwendigen ausgestattet. Die Fabel zeigt also, dass, während alle materiellen Schätze vergänglich sind, ein Gelehrter seinen Reichtum immer bei sich hat und auch behält.

Diese beiden Auszüge, die sich auf der Makulatur zeigen, umrahmen dabei eine an dieser Stelle nicht abgedruckte Fabel, in welcher der Dichter sich zu seinem eigenen literarischen Schaffen, aber auch zu seinem Vorgänger Aesop (620–564 v.Chr.) äußert:

Quicquid putabit esse dignum memoria,
Aesopi dicet; si quid minus adriserit,
a me contendet fictum quovis pignore.
(4, 22, 3–5)

Demjenigen, der derartiges behaupte, wolle Phaedrus folgendes entgegnen:

Sive hoc ineptum sive laudandum est opus,
invenit ille, nostra perfecit manus.
(4, 22, 7f.)

Obwohl Phaedrus – seiner eigenen Aussage nach – folglich den Stoff der äsopischen Fabeln vervollkommnet habe, findet sich sein Werk nun als Makulatur für eine Cicero-Ausgabe wieder. So haben wir auf der einen Seite als schützenden „Abfall“ das opus eines Freigelassenen des Augustus, auf der anderen Seite das zu schützende Werk des größten römischen Rhetors und bedeutenden Politikers. Während der eine sich einer Gattung bediente, deren gesellschaftliche Bedeutung seinerzeit darin bestand, dass „Sklaven, die es nicht wagten, ihre Gedanken unmittelbar auszusprechen, […] es auf dem Umweg über erfundene Geschichten“35 taten, begründete der andere mit seiner Literatur zur Philosophie der Ethik, der Politik, der Rede und des Rechts ein Bild des Römertums, das noch bis heute Bestand hat. Auch wenn beide Autoren dabei gewiss für ein literarisch gebildetes und anspruchsvolles Publikum schrieben und die römische Literatur teils sogar um neue Gattungen bereichert haben, finden wir auf der einen Seite eine schlichte Sprache, die sich von Rhetorik fernhält und deren vulgäre Elemente „man weder bestreiten noch überbetonen“36 sollte, auf der anderen Seite hingegen einen Stil, der lange Zeit, wie bereits erwähnt, als Inbegriff der Goldenen Latinität und als nachahmenswertes exemplum galt.

So haben wir bereits gesehen, dass Quintilian Cicero als Messlatte für angehende Redner nennt; Phaedrus hingegen übergeht er bei der Behandlung griechischer Fabeln ebenso, wie Seneca (1–65 n.Chr.) dies in seinen dialogi macht, wenn er schreibt, dass eine lateinische Fabelsammlung ein noch intemptatum Romanis ingeniis opus (dial. 2, 8, 3) sei. „Erst bei Martial (3, 20) finden wir Phaedrus erwähnt: an aemulatur improbi iocos Phaedri? – ein Urteil, das ebenfalls zu vielen Konjekturen Anlass gibt“37 und gewiss wenig schmeichelhaft ist.

Trotz der Kritik seiner Zeitgenossen hat Phaedrus sich letztlich zum Schulautor entwickelt und wird auch heutzutage noch an vielen Schulen im Rahmen der sogenannten ‚Übergangslektüre‘ gelesen,38 da den Schülerinnen und Schülern die literarische Gattung der Fabel zumeist aus dem Deutschunterricht bekannt39 und die Moral der einzelnen Fabeln in der Regel gut zu eruieren ist. Doch ist die Kritik an Phaedrus ebenso wie an seinem Werk nie vollkommen abgeklungen; so heißt es beispielsweise im Jahrbuch für wissenschaftliche Kritik von 1832, d.h. knapp zehn Jahre nach Herausgabe des letzten Bandes der vorliegenden Cicero-Ausgabe:

„‚Phaedrum aiunt, nescio quem, fabulas nescio quas, quo tempore, scripsisse‘. So sprach der Leipziger Professor Christ den entschiedensten Zweifel aus, der jemals über ein Werk des Alterthums geäußert worden; und noch gegenwärtig, da seitdem fast ein Jahrhundert vergangen ist, besteht jenes Bedenken über die Zeit und die Authentie der Lateinischen Fabelsammlung in voller Kraft. Phädrus nämlich, so wenig er sonst Geheimnisse kennt, hat durch ein seltsames Zusammentreffen von Tradition und Laune sich in Dunkel zu hüllen und jede schärfere Nachforschung zu vereiteln gewußt.“40

Obwohl die Erstausgabe der Fabulae erst aus dem Jahre 1596 stammt und Phaedrus folglich zu einem der „jüngeren“ lateinischen Autoren zu zählen ist, bestanden im 19. Jahrhundert noch verbreitete Zweifel an deren Echtheit. Auch wenn sich derartige Zweifel aufgrund der Überlieferungslage41 gelegt haben, gibt es gewiss noch immer Stimmen in der Altphilologie, die den wahren Nutzen eines Phaedrus sicher eher in der Verstärkung des Einbandes einer Cicero-Ausgabe sehen als in dessen Schulgebrauch.

III Fazit

Zusammengefasst hat der Beitrag gezeigt, wie auch in historischen Schulbibliotheken die Makulatur hinter der Weltliteratur erforscht werden kann, um die Herstellungs- und Reparaturgeschichte von Büchern zu bereichern.

Verwaltungsschriftgut, Sachtexte oder Literatur – keine Gattung und fast kein Autor waren offenbar im 19. Jahrhundert davor gefeit, als „Abfall“ erachtet und als Makulatur verwendet zu werden, sei es für ein neues oder für ein rein reparaturbedürftiges Buch. Gerade wenn es darum ging, Weltliteratur zu retten, haben Drucker und Restauratoren schlicht alles, was Sie zur Hand hatten, zur Stärkung der Einbände genutzt,42 zumal die Wege zwischen Druckereien und Buchbindern bzw. Restauratoren oftmals kurz gewesen sein dürften und weiterhin sind, um Fehldrucke oder als wertlos erachtete Schriftstücke einer Zweitverwendung zuzuführen. Leider haben jedoch die Einbände der analysierten Cicero-Werkausgabe nicht die Jahrhunderte überdauert, sodass im Jahre 2020 eine erneute Reparatur dieser und anderer Buchrücken und -deckel vorgenommen werden musste (s. Abb. 5).43

Abb. 5: M. Tullii Ciceronis opera … 1814–1823 (Foto: restaurierter Zustand, 2020; Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).

Beitragsbild
M. Tullii Ciceronis opera quae supersunt omnia ac deperditorum fragmenta. Recognovit potiorem lectionis diversi-tatem adnotavit indices rerum ac verborum copiosissimos adiecit Christianus Godofr. Schütz. 20 Bde., Leipzig 1814–1823. (Ausschnitt, im Vordergrund Band XIX) (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek)

Anmerkungen
Diesen Artikel zitieren: Benjamin Magofsky / Dennis Burrichter: „Hinter der Weltliteratur – Makulatur in einer Cicero-Werkausgabe aus der historischen Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld“, in bibliotheca.gym 24/01/2021, https://histgymbib.hypotheses.org/?p=10814

  1. M. Tullii Ciceronis opera quae supersunt omnia ac deperditorum fragmenta. Recognovit potiorem lectionis diversitatem adnotavit indices rerum ac verborum copiosissimos adiecit Christianus Godofr. Schütz, 20 Bde., Leipzig 1814–1823. Davon liegen in der Bibliothek die Bände 1, 3, 5, 7–9, 11, 13, 15–17 und 19 vor.
  2. Vgl. zur Geschichte der Schulbibliothek Altenberend, J./Köhne, R. (2008): Die Bibliothek des Ratsgymnasiums, in: Altenberend, J./Schröder, W. (Hrsg.): Schule mit Geschichte. Schule mit der Zeit. Festschrift zum 450-jährigen Jubiläum des Ratsgymnasiums Bielefeld, Bielefeld, S. 93–106; Gerwin, C./Magofsky, B. (2018): Ein Anliegen „von der grösten Nothwendigkeit“ – Die Schulbibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld im Spiegel ihrer Schul- und Bestandsgeschichte, in: bibliotheca.gym, 18.12.2018, online unter https://histgymbib.hypotheses.org/6605 (abgerufen am 24.01.2021), vgl. zur Gründung der Schulbibliothek im Kontext der Aufklärung Magofsky, B. (2020): Das Zeitalter der Aufklärung – auch am Bielefelder Gymnasium? Gotthilf August Hoffmann und die Gründung der Bibliothek im heutigen Ratsgymnasium Bielefeld, in: bibliotheca.gym, 31.12.2020, online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/10729 (abgerufen am 24.01.2021).
  3. Utraque Ciceronis rhetorica hoc volumine clauduntur, edidit Nicolaus Angelius, Florenz 1515.
  4. Eine genauere Analyse der Entwicklung des Bestands an Cicero-Ausgaben im Kontext der Schul- und Bildungsgeschichte des Ratsgymnasiums fehlt noch. Im Falle von Vergils Aeneis sei verwiesen auf Burrichter, D./Magofsky, B. (2020): Arma virumque cano – Vergils Aeneis als lateinischer Klassiker zwischen wissenschaftlicher Textkritik und Schullektüre in der historischen Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld, in: Forum Classicum 63,4 (2020), S. 219–236.
  5. Quinton, A. (1995): Politische Philosophie, in: Kenny, A. (Hrsg.): Illustrierte Geschichte der westlichen Philosophie, Frankfurt am Main – New York, S. 293–383, hier S. 306.
  6. Albrecht, Michael von (1997): Geschichte der römischen Literatur von Andronicus bis Boëthius, 2 Bde., 2. bearbeitete Auflage, München, S. 416. – Dieser Gedanke findet sich auch bei Rutherford, der anführt, dass Ciceros literarisches Werk in jeglicher Hinsicht bemerkenswert sei (vgl. Rutherford, Richard [2005]: Classical Literature – A Concise History, Malden – Oxford, S. 89f.).
  7. Vgl. ferner Albrecht (1997): S. 443f
  8. Fuhrmann, M. (2002): Bildung. Europas kulturelle Identität, Stuttgart, S. 21; vgl. ähnlich auch Mandry, C. (2019): Menschenrechte – eine große Idee, in: François, E./Serrier, T. (Hrsg.): Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte, Band I: Lebendige Vergangenheit, Darmstadt, S. 230–243, hier S. 232f.
  9. Mandry (2019): S. 233.
  10. Vgl. Füssel, S. (2019): Johannes Gutenberg, 6. Auflage, Reinbeck bei Hamburg, S. 106.
  11. Mommsen, Theodor (1976): Römische Geschichte. Vollständige Ausgabe in acht Bänden, Bd. 5, München, S. 284.
  12. Vgl. Albrecht (1997): S. 416.
  13. Mandry (2019): S. 233.
  14. Albrecht (1997): S. 445.
  15. Vgl. zur religiösen Literatur in der Bibliothek des heutigen Ratsgymnasiums Magofsky, Benjamin (2020): Der heilige Hieronymus im Gemäuer. Religiöse Handschriften, Inkunabeln und Bücher aus dem Bielefelder Franziskanerkloster in der Schulbibliothek des Ratsgymnasiums. In: Zeitarbeit. Aus- und Weiterbildungszeitschrift für die Geschichtswissenschaften 2/2020. S. 44-64. Online unter: https://majournals.bib.uni-mannheim.de/zeitarbeit/article/view/147/104, abgerufen am 12.12.2020.
  16. Vgl. Fuhrmann (2002): S. 24.
  17. Vgl. Burrichter/Magofsky (2019): S. 21, Anm. 4; vgl. zur Stundenverteilung an den Schulen im Neuhumanismus allgemein Fuhrmann (2002): S. 29.
  18. Vgl. Bericht über das Gymnasium in Bielefeld von Ostern 1838 bis Ostern 1839, womit zu der auf den 21. und 22. März festgelegten öffentlichen Prüfung der Zöglinge dieser Anstalt ergebenst einladet Dr. K. Schmidt, königlicher Professor und Director des Gymnasiums, Bielefeld 1839, S. 17. – 1863/64 wurden in der Prima (zur Abwechslung) Laelius (De amicitia) sowie Auszüge aus dem ersten Buch von De oratore gelesen, in den zehn bzw. neun Stunden der Secunda De lege Manilia (De imperio Cn. Pompei), die erste Rede In Catilinam, Pro Ligario und die vierte Philippica, wobei in diesem Schuljahr insgesamt größtenteils Metrik und praktische Übungen die Gegenstand des Unterrichts waren (vgl. Bericht über das Gymnasium in Bielefeld und die damit verbundene Realschule von Ostern 1863 bis Ostern 1864, womit zu der öffentlichen Prüfung am 18. und 19. März sowie zur Vorfeier des Geburtstags Sr. Majestät des Königs am 21. März ergebenst einladet der commissarische Dirigent der Anstalt L. B. Jüngst, Professor, Bielefeld 1864, S. 3f.). Zwei Jahrzehnte später standen De lege Manilia (De imperio Cn. Pompei) dieses Mal als „Privatlektüre“ sowie „mit Verwendung für das Lateinsprechen und Extemporieren“ Buch 4 der zweiten Rede In Verrem auf dem Programm, in der Ober-Secunda Cato Maior (De senectute) sowie zur „Privatlektüre“ u.a. Pro Ligario; aber auch in der Unter-Secunda kam man nicht um Cicero herum, genauer gesagt um De lege Manilia (Pro imperio Cn. Pompei) und die erste Rede In Catilinam (vgl. Gymnasium und Realgymnasium zu Bielefeld. Jahres-Bericht über das Schuljahr 1883–1884, Bielefeld 1884, S. 15f.).
  19. Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2013): Kernlehrplan für die Sekundarstufe II Gymnasium / Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen – Lateinisch, Düsseldorf, S. 17. – Zwar wurde Cicero für das Zentralabitur 2020 durch Augustinus ersetzt, jedoch bildet die Lektüre einer Auswahl aus den Orationes Philippicae noch immer einen Teil der Vorgaben für die Prüfung zum Erwerb des Latinums bei Latein als neu einsetzender Fremdsprache (vgl. Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen [2018]: Zentralabitur 2020 – Lateinisch, online unter: https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/cms/zentralabitur-gost/faecher/getfile.php?file=4579 [abgerufen am 04.05.2020], S. 3).
  20. Flachmann, H. (1988): Die Lehrerbibliothek des Ratsgymnasiums zu Bielefeld während der Zeit der preußischen Provinzialverwaltung (1815–1945) – unter besonderer Berücksichtigung des Bestandes. Hausarbeit zur Prüfung für den höheren Bibliotheksdient, Köln (unveröffentlicht), S. 85; vgl. ferner ebd.: S. 102.
  21. Vgl. ebd.: S. 86.
  22. Einen weiteren Grund wird man vermutlich in der geringen Qualität der Halblederbände zu suchen haben, weisen doch anderorts vorfindbare Werkausgaben ebenfalls ähnliche Schäden an den Buchrücken auf (vgl. z.B. https://www.antiquariat.de/angebote/GID31790811.html [abgerufen am 03.04.2020]).
  23. Vgl. White, E. M. (2020): Binding Waste as Book History. Patterns of Survival Among the Early Mainz Donatus Editions, in: Dondi, C. (Hrsg.): Printing Evolution and Society 1450–1500. Fifty Years that Changed Europe, Venedig, S. 253–277, hier S. 254; s. diesen Artikel auch zur Analyse der Weiterverwendung der frühesten Ausgaben von Donatus‘ Ars minor.
  24. Vgl. Waters, J. (2017): Nothing Goes to Waste: Print and Manuscript Pieces Recycled for Bindings, in: The Newberry 24.10.2017, online unter: https://www.newberry.org/nothing-goes-waste-print-and-manuscript-pieces-recycled-bindings (abgerufen am 04.04.2020).
  25. Vgl. Hester, J. L. (2018): The Surprising Practice of Binding Old Books With Scraps of Even Older Books, in: Atlas Obscura, 11.6.2018, online unter: https://www.atlasobscura.com/articles/book-waste-printed-garbage (abgerufen am 04.04.2020).
  26. Vgl. Thompson, M. (1981): Die Theorie des Abfalls. Über die Schaffung und Vernichtung von Werten, Stuttgart.
  27. Vgl. etwa zum Beispiel einzelner protestantischer Kirchenmusik Gerwin, C./Magofsky, B. (2019): Rettung vor Vergessenheit und Verfall: Wiederentdeckung und Restaurierung kostbarer Notenbestände aus einer historischen Gymnasialbibliothek am Beispiel von David Kölers „Psalmen Davids“ aus dem Jahr 1554, in: bibliotheca.gym, 20.11.2019, online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/7715 (abgerufen am 20.03.2020).
  28. White (2020): S. 256.
  29. Vgl. White (2020): S. 258, 272; vgl. zu Augustinus-Textausgaben in der Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld Burrichter D./Magofsky, B. (2020): Ein spätmittelalterlicher Holzschnitt zur Begleitung und Vertiefung lateinischer Textlektüre? – Das Beispiel der Darstellung von Gottes- und Menschenstaat in Augustinus‘ De civitate Dei, in: Sauer, J. (Hrsg.): Augustinus: De civitate Dei – Fachwissenschaftliche und fachdidaktische Zugänge, Heidelberg, S. 117–151, online unter https://books.ub.uni-heidelberg.de/propylaeum/reader/download/594/594-30-87524-1-10-20200120.pdf (abgerufen am 19.1.2021); Magofsky, B./Burrichter, D. (2020): Augustinus´ De civitate Dei – Christliche Heilsgeschichte in einer provinziellen Kloster- und Schulbibliothek in Bielefeld, in: bibliotheca.gym, 8.2.2020, online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/6687 (abgerufen am 04.04.2020).
  30. Hier sei auf Treitschkes berühmtes Diktum „Männer machen die Geschichte“ verwiesen: Treitschke, H. von (1879): Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Erster Theil, Leipzig, S. 28.
  31. Mémoires pour servir à l’histoire de France sous Napoléon, écrits à Sainte-Hélène, par les généraux qui ont partagé sa captivité, et publiés sur les manuscrits entièrement corrigés de la main de Napoléon – Notes et mélanges, tome cinquième, écrit par le général comte de Montholon, Paris – Berlin – Frankfurt, 1823, S. 84.
  32. Vgl. Forrest, A. (2019): Der Napoleon-Mythos, in: François, É./Serrier, T. (Hrsg.): Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte. Band II: Vielfalt und Widersprüche, Darmstadt, S. 22–35, hier S. 24 sowie im Folgenden S. 24–26 und 32f.
  33. Oder wie es der Napoleon-Biograph Johannes Willms formuliert: „Das Erbe an die französische und europäische Zukunft reicht so weit, wie es bewundert wird oder umstritten ist. Die Legende, die ihn umrankt und die er selbst mit seiner Propaganda modellierte, hat Napoleon im Erleben der Nachwelt längst zu einem Mythos werden lassen. Sie übersteigert seine ihm zurechenbare historische Bedeutung als ‚Jockey der Sattelzeit‘ ins Titanische.“ (Willms, J. [2019]: Napoleon, München, S. 120f.).
  34. Auskunft erteilt durch die Buchbinderin Ulrike Bonin (E-Mail vom 19.01.2021); s. zur entsprechenden Reparatur Anm. 43.
  35. Albrecht (1997): S. 796.
  36. Ebd.
  37. Schnur, H. C. (Hrsg.) (1997): Fabeln der Antike. Griechisch – Lateinisch – Deutsch, überarbeitet von E. Keller, 3. Auflage, Zürich, S. 23. – Vgl. ferner Albrecht (1997): S. 796.
  38. Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (2008): Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen. Latein, Düsseldorf, S. 14.
  39. Vgl. z.B. ebd.: S. 18) – Danach sollen Figuren und Handlungen von Fabeln in den Jahrgangsstufen 5 und 6 thematisiert werden.
  40. Societät für wissenschaftliche Kritik zu Berlin (Hrsg.) (1832): Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik, Nr. 4, Stuttgart – Tübingen, Sp. 25.
  41. Zur Überlieferung vgl. Albrecht (1997): S. 796.
  42. Vgl. auch Hester (2018).
  43. Die Kosten der 67 Buchrückenreparaturen im Jahr 2020 konnten in etwa gleichen Teilen durch den Förderverein „Die Förderer der Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld e.V.“ und den „Heimat-Scheck“ im Rahmen des Förderprogramms „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen. Wir fördern, was Menschen verbindet“ durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert werden und wurden von der örtlichen Buchbinderei Bonin durchgeführt.

Reingelesen: Schulprogramme des Stargarder Gymnasiums

′Reingelesen in die Schulprogramme  des Stargarder Gymnasiums 1914 und 1915 hat sich das Blog Pommerscher Greif e.V.:

[…] Die Jahrgänge der Kriegsjahre 1914 und 1915 des Stargarder enthalten auch Lebensläufe und Todesumstände von gefallenen Lehrern und Schülern. Auch Ehemalige werden aufgeführt.

Die Digitalisate, veröffentlicht in der Kujavisch-Pommerschen Digitalen Bibliothek, sind beim  Pommerschen Greifen verlinkt.

 

Gutes Neues Jahr 2021!

Wie konnte sich ein Jahr, das sich so schön schrieb wie „2020“, nur so unmöglich benehmen…!

Allen Bewunderern,  Kollegen und Freunden des schriftlichen Kulturguts ein gutes, besseres, bestes neues Jahr 2021, das alte möge sich in der Ecke schämen.

Das Zeitalter der Aufklärung – auch am Bielefelder Gymnasium? Gotthilf August Hoffmann und die Gründung der Bibliothek im heutigen Ratsgymnasium Bielefeld

„…ich würde keine weitere Ehre dabey für mich verlangen, als daß man einmal von mir sagen könnte, vor hundert Jahren sey hier ein Rector gewesen, der sey auf den glüklichen Einfall gerathen, eine Bibliothek an die Schule zu bringen“.

Diesen aus dem Jahre 1753 stammenden „glüklichen Einfall“1 des damaligen Rektors des Bielefelder Gymnasiums, Gotthilf August Hoffmann (1720-1769), möchte ich als mit der Leitung der noch immer bestehenden Bibliothek beauftragte Lehrkraft zum Anlass nehmen, um an seinen Geburtstag vor 300 Jahren zu erinnern.

Da es den Rahmen dieses Artikels gesprengt hätte, Archivbestände seiner unterschiedlichen Wirkungsstätten heranzuziehen, wird der Fokus auf das größtenteils in seinen eigenen publizierten Texten zum Ausdruck kommende (Selbst-)Verständnis des damaligen Rektors im Kontext der Wissens- und Bildungsvorstellungen der Aufklärung gelegt. Nach einem kurzen Blick auf Hoffmanns Sozialisation und weltanschauliche Prägung in Halle an der Saale (Kap. 1) und seinen beruflichen Werdegang in Westfalen (Kap. II) fokussiert der Artikel daher die Gründung der Bielefelder Schulbibliothek im Kontext der Aufklärung sowie seines Bildungs- und Selbstverständnisses (Kap. III), um sie abschließend in ihrer heutigen Bedeutung zu beurteilen (Kap. IV).

I Das Licht der Welt – Halle an der Saale

Gotthilf August Hoffmann erblickte am 21. September 17202 in Glaucha bei Halle als Sohn von Barbara Helene und Johann Georg Hoffmann, dem Rektor und Inspektor aller deutschen Schulen beim Halleschen Waisenhaus, das Licht der Welt. Von seinem Taufpaten, August Hermann Francke, dem Gründer und Leiter der Glauchaschen Anstalten (heute Franckesche Stiftungen), erhielt er seinen zweiten Vornamen.3

Hoffmanns Sozialisation und Lebenslauf blieben die nächsten 28 Jahre eng mit Halle an der Saale verbunden, sodass die dortigen Strömungen des Pietismus‘ und der Aufklärungsphilosophie ihn geistig-weltanschaulich maßgeblich geprägt haben.4 Deutlich wird dies zunächst an seinem Wechsel von der deutschen Schule in Glaucha zur Latina der Anstalten. Diese dürften nicht zuletzt auch seine Vorliebe zu Büchern und Bibliotheken maßgeblich beeinflusst haben, übertraf die Bibliothek der Anstalten im Jahre 1721 doch mit 18.000 Bänden den Bestand der Universitätsbibliothek Halle.5

Abb. 1 Christian Wolff (Elementa Matheseos Universæ. Tomus I. … Autore Christiano Wolfio, editio novissima. Halle und Magdeburg 1742) (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek G 90)

Einflussreich für Hoffmanns philosophische Weltanschauung war darüber hinaus auch der Besuch der dortigen Universität, die als ein „Experimentierfeld preußischer Religionspolitik“6 zugleich mit Christian Wolff (s. Abb. 1) ein Zentrum der Frühaufklärung in Deutschland bildete.7

Für Hoffmanns Studienzeit und beruflichen Werdegang weit wichtiger als Wolff selbst – der 1723 seines Amtes enthoben und aus Halle verbannt worden war – sollte sich dessen Schüler, der Theologe Siegmund Jakob Baumgarten erweisen, der den 1738 immatrikulierten, noch keine 18 Jahre jungen Theologiestudenten Hoffmann an der Universität betreute. Nach dem Studium kehrte Hoffmann 1740 als Lehrer ans Gymnasium des Waisenhauses zurück. Im Dezember 1744 nahm er für zwei Jahre die Aufgabe des Inspektors der königlichen Freitische zur Beaufsichtigung und Anleitung der betreffenden Theologiestudenten an.8

Baumgarten empfahl ihn schließlich auch dem Archigymnasium (heute Stadtgymnasium) in Dortmund, wo er von 1748 bis 1750 als Prorektor und Professor der schönen Wissenschaften wirkte. Nach seinem Bielefelder Rektorat (1750-1758) kehrte er als Prorektor nach Dortmund zurück, wo er zusätzlich eine Pfarrstelle an der Marienkirche annahm und 1769, keine fünfzig Jahre alt, verstarb.9

II Die Finsternis – Westfalen

Die Gründung der Bielefelder Schulbibliothek lässt sich nicht allein aus Hoffmanns Hallescher Prägung durch Pietismus und Aufklärungsphilosophie erklären, sondern speist sich vielmehr auch aus den Gegensätzen, die er zwischen seiner Heimat Halle an der Saale und seiner Wahlheimat Westfalen zu erkennen meinte.

Bereits als Prorektor in Dortmund hatte der umtriebige Hoffmann versucht, u.a. mittels des eigens gegründeten literarhistorischen Seminars und Flugschriften „Dortmund und Westfalen aus der Lethargie des 18. Jahrhunderts aufzuwecken“10. Westfalen mangele es nämlich nicht nur an Universitäten, sondern Hoffmanns Einschätzung nach überhaupt an Schulen und in den sogenannten schönen Wissenschaften bewandten Männern. Kurz: Es gebe dort keine angemessenen Gelegenheiten, sich schulisch oder akademisch zu bilden. Aus seiner Sicht strebten die Studenten nämlich zwecks frühen Gelderwerbs zu schnell dem Abschluss entgegen, seien demzufolge später als Lehrer zu wenig wissenschaftlich vorgebildet und ohne hinreichende Kenntnis in allen Fächern.11 Die westfälischen Lehrer seien schlichtweg „Pedanten und hätten keinen Geschmack“12.

Nachdem Hoffmann Dortmund nach nur zwei Jahren als Prorektor verlassen hatte, um 1750 das renommiertere Rektorenamt am Bielefelder Gymnasiums anzunehmen,13 stellte Bielefeld und überhaupt ganz Westfalen für Hoffmann zunächst eine einzige bibliothekarische Enttäuschung dar, wie er den Bielefeldern 1753 unverhohlen kundtat: „In Westphalen sind mir keine Schulen bekant, welche mit Bibliotheken versehen wären, die wenigstens was zu bedeuten hätten.“14 Allein in Herford und Osnabrück sah er „nur ein Anfang dazu gemacht“; auch Buchläden konnte er außer in Lemgo und Duisburg nirgends finden, „ein wichtiger Umstand, warum“, seiner Meinung nach, „die Gelehrsamkeit in Westphalen so nicht, wie anderwärts, blühet“15.

Es kann hier nicht darum gehen, Hoffmanns Urteile über die einzelnen Städten zu überprüfen; wichtiger erscheint für die (Be-)Gründung der Bielefelder Schulbibliothek, dass mentalitätsgeschichtlich Hoffmanns abwertende Äußerungen einem vielfach negativen und stereotypen Westfalenbild des 18. Jahrhunderts entsprachen. So hatte es zu seiner Zeit schon „förmlich Tradition, daß aus Westfalen nichts Gutes kommen könne“16. Dabei schildern beispielsweise zeitgenössische Reisebeschreibungen zumeist recht oberflächlich und knapp die vermeintliche äußere Lebensart der Westfalen. Ungeachtet der durchaus vorkommenden positiven Urteile über Westfalen und dem ambivalenten Verhältnis zwischen dem preußischen Staat und den westfälischen Untertanen,17 äußerte sich beispielsweise der damalige preußische Kronprinz Friedrich in einem Brief an den berühmten Philosophen und Schriftsteller Voltaire vom 24. Juli 1738 sehr herablassend über Westfalen: „Da die Geistesbildung dort so spärlich ist, muß man sich wirklich die Frage stellen, ob jene menschlichen Wesen wirklich Menschen sind, die denken, oder nicht.“18 Voltaire sah das – sei es durch Friedrichs scharfe Urteile ermuntert oder durch eigene Eindrücke auf seinen Reisen gefestigt –, offenbar ähnlich: „O abscheuliches Westphalen!“, heißt es etwa in einem Gedicht vom 6. Dezember 1740. Sein Westfalenbild – in Reminiszenz an den inzwischen König gewordenen Friedrich – zementierend bekannte er zehn Jahre später in einem Brief an seine Nichte:

„In großen Hütten, die man dort Häuser nennt, sieht man Tiere, die man als Menschen bezeichnet, die ganz vertraut mit den anderen Haustieren zusammenleben. […] Ihr geistiger Zustand entspricht genau ihren äußeren Lebensbedingungen.“19

Schließlich belegen auch die zahlreichen abfälligen Bemerkungen über Westfalen in seinem 1759 erschienenen Roman Candide ou l’optimisme Voltaires recht festgefügtes Westfalenbild.20

Diese ausgewählten Zitate verdeutlichen exemplarisch nicht nur die Hochzeit der Westfalenkritik in den 1750er-Jahren, sondern auch, inwieweit die Aufklärer neben positiven Identifikationsbegriffen gekonnt stereotype Gegenvorstellungen von Unwissenheit und Barbarei etablierten21 – hier die vermeintliche oder tatsächliche kulturelle bzw. geistige Rückständigkeit der Westfalen. Auf diese Weise kannte die Metaphorik der Aufklärer hinsichtlich ihrer politischen Konsequenzen in den Worten Reinhart Kosellecks eigentlich „nur noch zwei Lager: Das des Lichtes und das der Finsternis“22.

III Das Zeitalter der Aufklärung – Die (Be-)Gründung der Schulbibliothek

Das stereotype und metaphorisch finster ausgemalte Westfalen(zerr)bild diente Hoffmann als willkommene Kontrastfolie, auf der er seine eigene Intention in umso helleren Farben auftragen konnte, um das mutmaßliche Problem der mangelnden Gelehrsamkeit in Bielefeld und Westfalen bei der Wurzel zu packen. Damit hatte er auch in Teilen Erfolg, bedenkt man den Nachruhm dieses ansonsten heute vergessenen Denkers am Ratsgymnasium Bielefeld. Schließlich wird in Schulchroniken darauf verwiesen, dass mit und durch ihn die Philosophie der Aufklärung Einzug in die hiesige Lehranstalt gefunden habe und in der Folge die Bibliothek gegründet wurde.23

Als Gründungsdatum der Bibliothek gilt spätestens Hoffmanns Weggang im Jahre 175824 bzw. symbolisch und de facto schon der 24. Januar 175325, wie es beispielsweise auch auf einer 1988 durch seine Nachfahren gestifteten Gedenktafel zur Gründung der Bibliothek zum Ausdruck kommt. Zu diesem Tag hatte Hoffmann die Bürger aus Bielefeld und Umgebung zur Feier des Geburtstages des preußischen Königs Friedrich II. eingeladen. Dieses Datum ist alles andere als zufällig gewählt. Schon Immanuel Kant bezeichnete das „Zeitalter der Aufklärung“ in einem Atemzug auch als „Jahrhundert Friederichs26. Kants Begriff und Hoffmanns Terminierung dürfen sicher nicht als Anbiederung an den Monarchen verstanden werden, schließlich verkörperte Friedrich II. – trotz aller berechtigter Kritik – unter allen europäischen Monarchen seiner Zeit sicher am ehesten die Werte und Weltanschauung der Aufklärung. Dies kam etwa auch darin zum Ausdruck, dass er nach seiner Thronbesteigung Christan Wolff 1740 an die Universität Halle zurückberief.27

Für Wolff gehörte es „mit zu der Gelehrsamkeit […], gute Bücher zu kennen, damit man weiß, wo man sich weiter Raths zu erhohlen hat“28. Dieser Gedanke kommt auch in Hoffmanns doppelter Zielsetzung zum Ausdruck, was eine Schulbibliothek leisten müsse: für die Lehrkräfte ebenso wie für die Schüler. So heißt es in der betreffenden Einladungsschrift zur Feier des königlichen Geburtstages:

Eine Schulbibliothek ist so wohl in Ansehen der Lehrenden, als Lernenden von der grösten Nothwendigkeit. Ohne Bücher, weiß endlich ein ieder, kann man unmöglich fortkommen. Diese müssen die Quellen seyn, daraus Lehrer dasienige schöpfen, was sie ihren Lehrlingen einflössen, und auf sie müssen diese nach und nach selbst geführet werden.“29

Doch die Umsetzung des ersten Ziels, der Gründung einer Lehrerbibliothek, konfligierte mit der Persistenz schulischer Realität. In der insbesondere durch Kaufleute und Krämer geprägten Stadt, in der „die Schicht der Hofbeamten und der geistlichen Würdenträger ebenso [fehlte] wie ein kulturelles Zentrum“30, setzte sich Hoffmann gegen den „im toten Formalismus erstarrten Unterrichtsbetrieb und gegen die geistige Trägheit der Lehrer ein, die im Schulamt nur das Sprungbrett in eine gut dotierte Pfarrstelle sahen“31. Denn auch in Bielefeld sei das Fehlen einer Bibliothek, so Hoffmann wörtlich, mit „ein Hauptgrund, warum mancher [Lehrer] in dem, was er etwa von Wissenschaften mitgebracht hat, gleichsam versauert, und dadurch mit der Zeit dem Staat wirklich unbrauchbar wird“32.

Folglich stellt er diesen stereotyp und finster gezeichneten Lehrern, die größtenteils aus Bielefeld und der nahen Umgebung stammten,33 in einer anderen Schrift holzschnittartig die „Republik der Gelehrten“ gegenüber – zu der er sich auch selbst, wenig bescheiden, zurechnet und die sich der Forschung verborgener, unentbehrlicher Dinge widmeten: „[S]ie bauen das Reich der Wahrheit, und aus einem jeden kleinen Bezirk desselben haben sie ein Feld gemacht, welches sie eine Wissenschaft nennen.“34

Um auch sein Lehrerkollegium in diesen Prozess der Wahrheitsfindung einzubinden, bedürfe es also zunächst einer Lehrerbibliothek. Die relevante Textpassage wird daher im Folgenden nahezu ungekürzt zitiert:

„[I]ch will nur von dem reden, was sein [des Lehrers] Amt zu allernächst mit sich bringet. Und welche Kentnis fordert nicht dieses von ihm? [….] [D]enn so einen Schulmann verstehe ich hier nicht, der seinem Beruf nach sich nur mit den alleruntersten und ersten Anfangsgründen beschäftigen darf. Gewiß mit ein paar classischen Auctoren und etlichen magern Compendien ist es hier nicht ausgerichtet. Hier sind grössere Werke nöthig, und hat er die nicht; wie soll er in allen solchen Dingen was rechtschaffenes leisten können? Wo sollen die aber herkommen: Soll er die etwa selbst haben, wenn er sein Amt antritt? Dazu ist er nicht einmal verpflichtet, wenn er sie auch sich anschaffen könte. Man bestellt ihn zwar zu einem öffentlichen Lehrer, und er muß die Geschicklichkeit in dem allerdings besitzen, was er lehren soll. Allein da er um seiner Lehrlinge willen, so gut, wie diese noch täglich selbst lernen muß: so ist man auch verbunden, ihm darin allen möglichen Vorschub zu thun, und seinem Fleiß zu Hülfe zu kommen. Es würde unbillig seyn, wenn man ihm aufbürden wollte, ganz allein dafür zu sorgen. Denn der Nutzen, den er davon hat, ist ia nicht eigentlich sein eigner; sondern er ist, so zu reden, nur der Canal, durch welchen derselbe auf seine Lehrlinge, und mittelbarer Weise auf die Republik und den ganzen Staat fliesset.“35

Darüber, inwieweit solch eine Lehrerbibliothek vorrangig seinem Kollegium oder nicht doch primär ihm selbst dienen sollte, lässt sich heute nur spekulieren. Hoffmanns Bielefelder Rektorat fiel jedenfalls in die zweite Phase der Aufklärungsbewegung (1750-1770), als bedeutende Enzyklopädien entstanden sowie aufklärerische Ideen und wissenschaftliche Erkenntnisse popularisiert wurden.36 Zwei Jahre zuvor waren, um allein das bedeutendste zeitgenössische Beispiel zu nennen, die ersten Bände von Denis Diderots Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des Métiers, erschienen. Sie „sammelte das Wissen ihrer Zeit und erleuchtete sie damit“37. Wenn Hoffmann folglich selbst einen Überblick über die zeitgenössische Literatur behalten, auf dem aktuellen Forschungsstand bleiben und weiter publizieren wollte, musste er entweder einen großen Teil seines eigenen Einkommens für Bücher ausgeben oder eine Bibliothek gründen.38 Hoffmann schien solchen Deutungen des Eigennutzes im Übrigen selbst vorbeugen zu wollen, wenn er bezüglich der Bibliothek schreibt, dass er für sich selbst „keinen Vortheil suche“, um sie doch zwei Seiten später selbst zu nähren: „Mein Amt, als eines Bibliothekars, würde mir weiter nichts einbringen, als daß ich den freien Gebrauch der Bücher hätte.“39

Während Hoffmann sein erstes Ziel, die Gründung einer Lehrerbibliothek, im aufklärerischen Sinne seinen stereotypen Vorstellungen von Westfalen und seinen Lehrern scharf gegenüberstellte, zeugt sein zweites Anliegen, die Schaffung einer Schülerbibliothek, von seinem unerschütterlichen Vertrauen sowohl in die Vernunft und nahezu unbegrenzte Erkenntnisfähigkeit des Menschen als auch in die Wissbegier und den Fleiß der Jugend sowie die Ausweitung ihrer Einsichten mithilfe von Büchern:

„In Ansehung der Lehrlinge ist eine Schulbibliothek ebenso unentbehrlich. Wie dürftig, wie mangelhaft muß nicht der Unterricht bleiben, wenn sie sich mit demienigen allein behelfen müssen, der ihnen mündlich gegeben wird?“40

Hoffmann zufolge seien nämlich Zeitungen, Journale und Buchläden zur Bildung ebenso wenig hinreichend wie eine zumeist nicht zugängliche Stadt-41 oder Privatbibliothek, die ohne Anleitung durch die Lehrkräfte den Schülern mehr schade als nutze, da sie nicht auf deren Bedürfnisse abgestimmt sei:

Nur eine Schulbibliothek, welche darauf angelegt ist, hilft allen Schwierigkeiten ab. In dieser finden sich diejenigen Bücher; deren Kentnis und fleissiger Gebrauch einen begierigen Jüngling in wenig Zeit weiter bringt, als der mühsame Unterricht des Lehrmeisters. Sie lockt ihn zum Lesen, sie muntert seinen Fleiß auf, und ihr hat er die Ausdehnung seiner Einsichten zu danken. Sein Lehrer brachte ihn zwar auf den Weg, er führte ihn auch eine Zeitlang darauf bey der Hand; allein hernach übergab er ihn den andern Lehrmeistern, und er siehet mit Freuden, wie sein Lehrling mit starken Schritten zur Weisheit eilet.“42

Abb. 2 Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, 1784, S. 1 (Ausschnitt) (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek P 95)

Hoffmanns Verständnis veranschaulicht, inwieweit der deutsche Begriff „Aufklärung“ also nicht ein konkretes Ziel oder Ergebnis, sondern „in erster Linie einen Prozess des Erkenntnisfortschritts und der Wissensvermittlung“ bezeichnet, der die „Oppositionen von (aufgeklärter) Minderheit und (aufzuklärender) Mehrheit sowie von Unmündigkeit und Emanzipation ins Zentrum“43 rückt. Dem entspricht auch Immanuel Kants drei Jahrzehnte nach Hoffmann verfasste berühmte „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“ (s. Abb. 2):

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“44

Auf dieser Überzeugung der Vervollkommnung des Menschen beruhte das Interesse der Aufklärer an Erziehung und Bildung im Allgemeinen ebenso wie Hoffmanns Wille zur (Be-)Gründung einer Bibliothek am Bielefelder Gymnasium im Besonderen. Eine Schülerbibliothek ist also in Hoffmanns Aufklärungsverständnis das geeignete Mittel, damit die „Vernunft alle Lebensbereiche lichtet“45. Wissen sollte nicht länger den Eliten vorbehalten, sondern allgemein zugänglich werden, um den unmündigen, unwissenden sowie im Denken und Handeln abhängigen Menschen „von allen Autoritäten, Lehren, Ordnungen, Bindungen, Institutionen und Konventionen, die der kritischen Prüfung durch die autonome menschliche Vernunft nicht standzuhalten vermögen“46, zu emanzipieren und in die selbstverantwortete Freiheit zu überführen. Daher lebt(e) man Kant zufolge auch noch nicht „in einem aufgeklärten Zeitalter […], aber wohl in einem Zeitalter der Aufklärung47.

IV Das aufgeklärte Zeitalter? Die Weiterentwicklung der Bibliothek im Bielefelder Gymnasium

Kants Antwort bringt den Prozesscharakter von „Aufklärung“ im deutschen Sprachraum ebenso auf den Punkt wie es auf die Ideale Hoffmanns und die Grenzen der Aufklärung am Bielefelder Gymnasium in den 1750er-Jahren verweist. Vor ihm hatten bereits andere die Initiative zur Gründung einer Schulbibliothek mittels einer Lotterie ergriffen und ihren Einsatz dazugegeben.48 Während somit durchaus der „Zufall“49 Hoffmann in die Karten spielte, appellierte er 1753 an die Bürger der Stadt, der Bibliothek eigene, nicht mehr benötigte Bücher zu schenken, wobei sie „sich auch kein Bedenken über den Inhalt und die Beschaffenheit des Buchs zu machen“50 bräuchten. Darüber hinaus bat er die örtlichen Kaufleute, Bücher von Messen mitzubringen, damit auf diese Weise „Friedrichs Geburtsfest auch das Geburtsfest einer Schulbibliothek würde“51. Hoffmann schmeichelte den Bielefelder Bürgern als „so artige Leute, „daß ich von ihrer Freigibkeit, die sie andernorts wohl beweisen, weit mehr hoffen darf, als ich an einem andern Ort hoffen dürfte“52. Ungeachtet dieser Formulierung war der Rektor aber in diesem Punkt wohl mehr schulischer Realist als aufgeklärter Idealist, und zwar insofern als er es nicht unterließ, sie mit extrinsischer Motivation zu ködern: „[U]nd welche Zier ist es nicht endlich für eine Schule, ia für eine ganze Stadt, wenn das Wohnhaus der Musen so vortreflich ausmeublirt ist?“53

Nach Hoffmann Ankündigung, qua Schenkung eines alten Schulfreundes aus Halle „mit einer beträchtlichen Anzahl von Büchern den Anfang zu machen“54 ist die Bibliothek bis 1755 schnell auf 181 Bücher und mehrbändige Werke von 22 Spendern angewachsen. 1758 waren es 200 geschenkte und 20 gekaufte Titel, allerdings überwiegend aus dem 16. und 17. Jahrhundert und Hoffmanns Einschätzung nach kaum für die Bibliothek zu gebrauchen.55

Diese bescheidenen Anfänge verweisen darauf, dass Kants Wahlspruch der Aufklärung, „Sapere aude!“56, auch bzgl. der Bibliothek des Bielefelder Gymnasiums im 18. Jahrhundert, zuweilen „eher lautstark verkündet als wirklich praktiziert“57 wurde, was nicht zuletzt Hoffmanns resignierte Aufgabe seines Rektorenamtes schon im Jahre 1758 belegt. 150 Jahre später schrieb Direktor Christian Herwig über seinen Vorgänger: „Offenbar kam der geistig bewegliche Hoffmann mit den besten Plänen und Absichten; aber er stiess auf den Widerstand der Gleichgültigkeit.“58

Was also bleibt aus Hoffmanns ambitionierter Rektoren- und Gründungstätigkeit? Leben wir zu Hoffmanns 300. Geburtstag und zum Abschluss des Corona-Jahres 2020 nicht mehr bloß in einem „Zeitalter der Aufklärung“, sondern in einem „aufgeklärten Zeitalter“?

Neben der durch Klopstocks Messias angeregten Einführung eines selbstständigen Deutschunterrichts59 bleibt aus Hoffmanns Rektorat vor allem die Gründung einer Lehrerbibliothek. Sein eigentliches pädagogisches Anliegen, die Büchersammlung solle Lehrer- und Schülerbibliothek zugleich sein, konnte aber bis heute durch keinen seiner Nachfolger verwirklicht werden. „Die Schulbibliothek war immer nur eine Lehrerbibliothek.“60

Auch eine Suche nach damals angeschafften Werken der Aufklärung im Bestand des heutigen Ratsgymnasiums kommt über einige Enttäuschungen nicht hinweg. Enzyklopädien, Werke der bedeutenden Philosophen, Texte der „Volksaufklärung“, Reiseberichte oder literarische Werke sowie journalistische Medien sind Mangelware.61 Ausnahmen stellen hier etwa die nach Hoffmanns Tod von Charles-Joseph Panckoucke ab 1782 herausgegebene Neubearbeitung und Erweiterung von Diderots Encyclopédie, die Encyclopédie méthodique62 (s. Beitragsbild), einige Werke der beiden Hallenser Christian Wolff und Siegmund Jakob Baumgarten63 sowie die von Hoffmann verzeichnete zweite Auflage von Johann Christoph Gottscheds Ausführlicher Redekunst64 dar, deren Kritik am  ,schwülstigen Stil‘ der Barockliteratur sich Hoffmann selbst zu eigen machte.

Der allgemeine Niedergang der Schule gerade in den 1780er-Jahren, ihre stark schwankenden und oft niedrigen Schülerzahlen, die Fragen nach Eignung und Änderung des Schulprofils sowie die drohende Zusammenlegung der Lateinschule mit den Gymnasien in Herford und Minden65 gingen auch an der Bibliothek nicht spurlos vorüber. Mit dem Ende der napoleonischen Kriege, der Gründung der Provinz Westfalen und der Amtsübernahme durch Direktor Prof. August Krönig muss sich die Bibliothek 1815 „in einem wenig geordneten, wohl recht desolaten Zustand befunden haben“66, insofern als auch nur noch neun von 52 überprüfbaren Titeln aus Hoffmanns Bestand auffindbar waren.

Die Geschichte der seit 1815 auf- und ausgebauten Bibliothek wurde andernorts detailliert beschrieben67 und kann daher hier ebenso ausgeklammert werden wie eine nähere Untersuchung der fast 7.000 Bände umfassenden Privatbibliothek des Bonner Historikers Johann Wilhelm Loebell (1786-1863), die dem Bielefelder Gymnasium 1863 als Erbe zufiel. Ihr Bestand unterscheidet sich deutlich von den 220 Titeln des Jahres 1758, insofern als sich hier vielfältige Werke der Aufklärungsliteratur und -philosophie finden lassen.68 Sie dokumentieren damit den andauernden Prozess des „Zeitalters der Aufklärung“ im Rahmen einer Gelehrtenbibliothek des 19. Jahrhunderts.

Ist die vollständige Bibliothek des heutigen Ratsgymnasiums Bielefeld im Jahre von Hoffmanns 300. Geburtstag bloß – analog zu seinem Gedanken der „Zier“ für Schule und Stadt – eine „Trophäenbibliothek“, also „eine in einer Schule aufbewahrte historische Gymnasialbibliothek, die heute vor allem als Schatzkiste dienen muss, um die Anstalt zu schmücken“69? Beim Blick in die Lokalpresse des Jahres 2020, und nicht nur dort, dominieren Eindrücke, die Bibliothek sei ein „Schatz des Ratsgymnasiums“ und sehe aus „wie in Hogwarts“70. Fragen nach Forschung, Vermittlung und Lehre stellen sich da bei vielen Neugierigen – wenn überhaupt – oft erst auf den zweiten oder dritten Blick.

Der Einschätzung von Felicitas Noeske zufolge wird man allerdings Gymnasialbibliotheken, wie exemplarisch die des Hamburger Johanneums und des Altonaer Christianeums71, im Sinne Michael Knoches durchaus als forschungsorientierte Bibliotheken bezeichnen können. Sie zeichnen sich aus durch
„programmatische Einbindung von Forschung in die Bibliothek
– dauerhafte Zugänglichkeit der Sammlung
– Angebot besonderer Erschließungsleistungen
– Vermittlungsauftrag gegenüber der Öffentlichkeit“
72.

Ist dieser Anspruch (aktuell) zu hoch für die zwar über 25.000 Bände umfassende, in Zettelkatalogen erschlossene, in Teilen erforschte, ins Schulleben vielfältig eingebundene und auf Anfrage offenstehende Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld? Dass sie überhaupt existiert, Forschung, Vermittlung und Lehre möglich sind und ihre Bestände verstärkt ans Licht (der Öffentlichkeit) gebracht werden können und sollten, ist jedenfalls grundlegend dem „Zeitalter der Aufklärung“ und Gotthilf August Hoffmanns „glüklichen Einfall“ zu verdanken, „eine Bibliothek an die Schule zu bringen“73. Daher erinnert man sich an diesen Rektor als außergewöhnliche Persönlichkeit auch noch im Jahr seines 300. Geburtstages.

Anmerkungen

Diesen Artikel zitieren: Benjamin Magofsky, Das Zeitalter der Aufklärung – auch am Bielefelder Gymnasium? Gotthilf August Hoffmann und die Gründung der Bibliothek im heutigen Ratsgymnasium Bielefeld  bibliotheca.gym, 31/12/2020, https://histgymbib.hypotheses.org/10729

  1. Gotthilf August Hoffmanns Einladung zur abermaligen Feier des Königlichen Geburtstages auf den 24sten Jenner 1753. Bielefeld. S. 8 (Die Schreibweise folgt hier und im weiteren Artikel dem Original).
  2. Vgl. zu den biographischen Angaben Franckesche Stiftungen zu Halle (Saale) Studienzentrum August Hermann Francke – Archiv – Datenbank zu den Einzelhandschriften in den historischen Archivabteilungen. Ein Eintrag zu hoffmann, gotthilf august – BIOGRAFIE 24.03.2016. Online unter: http://192.124.243.55/cgi-bin/gkdb.pl?x=u&t_show=x&wertreg=PER&wert=hoffmann%2C%20gotthilf%20august%20%20-%20BIOGRAFIE&reccheck=144000, abgerufen am 23.12.2020; Datierung auf den 21. September 1720 ebenfalls bei Esser, H. (1969): Die moralische Wochenschrift „Der Hagestolze“ 1751/52 und ihre westfälischen Mitstreiter. In: Beiträge zur Geschichte Dortmunds und der Grafschaft Mark. Band 65/1969. S. 21-36, hier S. 30; abweichende Datierung auf den 18. September etwa bei Haase, U. (1985): Einleitung. In: Hoffmann, G. A. [1751 ff.]: Album scholae 1751. Hrsg. von U. Haase. Bielefeld 1985 (Faksimile). S. III-VII, hier S. IV (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).
  3. Vgl. Haase 1985: IV.
  4. Holger Flachmann nennt es in seiner Geschichte der Bielefelder Schulbibliothek eine „tiefempfundene, pietistisch-protestantische Frömmigkeit und Lebenseinstellung“, in der sich das „aufgeklärt-utilitaristische Bildungsziel“ mit der pietistischen Pädagogik insofern verband, neben der Erziehung zur Frömmigkeit „auf das praktische Leben vorzubereiten, sich hier orientieren und bewähren zu können“ (Flachmann, H. (1988): Die Lehrerbibliothek des Ratsgymnasiums zu Bielefeld während der Zeit der preußischen Provinzialverwaltung (1815-1945) – unter besonderer Berücksichtigung des Bestandes. Hausarbeit zur Prüfung für den höheren Bibliotheksdient. Köln (unveröffentlicht). S. 15 ff.).
  5. Vgl. Haase 1985: IV und Flachmann 1988: 15.
  6. Lauster, J. (2014): Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums. München. S. 422.
  7. Vgl. Lüsebrink, H.-J. (2015): Die europäische Aufklärung. In: Demel W. / H.-U. Thamer (2015): WBG-Weltgeschichte. Eine globale Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert. Band V. Entstehung der Moderne 1700-1914. 2. Aufl. Darmstadt. S. 95-149, hier S. 112.
  8. Vgl. Haase 1985: IV, und Esser 1969: 30.
  9. Vgl. zur Empfehlung Hoffmanns Flachmann 1988: 15, vgl. zu den Amtszeiten Flachmann, H. (1992): Bibliothek des Ratsgymnasiums. 1. Bestandsgeschichte. In: Corsten, S. (Hrsg.) (1992): Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Band 3. Nordrhein-Westfalen. A-I. Hildesheim. S. 104-106, hier S. 104 und Altenberend, J. / R. Köhne (2008): Die Bibliothek des Ratsgymnasiums. In: Altenberend, J. / W. Schröder (Hrsg.) (2008): Schule mit Geschichte. Schule mit der Zeit. Festschrift zum 450-jährigen Jubiläum des Ratsgymnasiums. Bielefeld. Bielefeld. S. 93-106, hier S. 93; abweichende Datierungen der Amtszeit auf 1751-1759 werden bei den Franckeschen Stiftungen zu Halle (Saale) 2016, Esser 1969: 30 f. und Haase 1985: IV vorgenommen.
  10. Linden, H. (1958): Gotthilf August Hoffmann. Wider die barbarischen Lehrer und Lohnsänger. In: Heimatspiegel. Beiträge Beilage zur Dortmunder Nord-West-Zeitung. 25.6.1958.
  11. Vgl. Gotthilf August Hoffmanns, Prorektors und öffentlichen Lehrers der Weltweisheit auf dem Archigymnasium zu Dortmund, Charakter eines rechtschaffenen Schulmanns, welchen er bey Gelegenheit einer Redeübung so den 17. Junius 1750 Nachmittags um 2 Uhr von etlichen der öffentlichen Zuhörer in dem großen Hörsaal wird gehalten werden, vorstellet, zu deren Anhörung er gehorsamst und ergebenste einladet. Dortmund 1750; vgl.  dazu Probst, P. (1912): Westfalen in der Kritik des 18. Jahrhunderts. Münster. S. 55 f., 59.
  12. Linden 1958.
  13. Vgl. die unterschiedlichen Einschätzungen zu den Gründen des Weggangs bei Linden 1958 und Esser, H. (1958): Gotthilf August Hoffmann. In: Heimatspiegel. Beilage der Dortmunder Nord-West-Zeitung. Nr. 47. 27.8.1958.
  14. Hoffmann 1753: 7.
  15. Ebd.
  16. d’Ester, K. (1912): Westfalen in der Kritik des 18. Jahrhunderts. In: Westfälisches Magazin. 4/1912. S. 135-137, hier S. 135.
  17. Vgl. etwa Kipp, M. (2009): „Das beste Volk von der Welt“. Auf Preußens Spuren in Minden-Ravensberg. Bielefeld. S. 8-15.
  18. zit. nach Heggen, A. (1990): Voltaires Urteil über Westfalen. In: Westfälische Zeitschrift. Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde 140/1990. S. 279-285, hier S. 281 f.; vgl. zu den Reisebeschreibungen d’Ester 1912: 136.
  19. zit. nach Heggen 1990: 280.
  20. Vgl. ebd. 282.
  21. Vgl. zu diesen positiven und negativen Begriffen in der Aufklärungsphilosophie Lüsebrink 2015: 108, vgl. zur Hochzeit der Westfalenkritik Probst 1912: 52.
  22. Koselleck, R. (2005): Über den Stellenwert der Aufklärung in der deutschen Geschichte. In: Joas, H. / K. Wiegandt (Hrsg.) (2005): Die kulturellen Werte Europas. Frankfurt am Main. S. 353-366, hier S. 365 f.
  23. Vgl. dazu etwa Raab, K. (1958): Mittelalterliche Handschriften in der Bielefelder Gymnasialbibliothek. In: [o. Hrsg.] (1958): Festschrift zum 400-jährigen Jubiläum des Staatlich-Städtischen Gymnasiums zu Bielefeld. Vom 24.-27. Juli 1958. Bielefeld. S. 237-250, hier S. 237.
  24. So ebd.: 238, und Hebbel, H. (1980): Gotthilf August Hoffmann (1720-1769). Gründer der Bibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld. (unveröffentlicht) [S. 4] (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek).
  25. Dieses Datum entspricht Hoffmanns eigener Intention (Hoffmann 1753: 9) und der Deutung seiner Nachfahren. Es ergibt sich zudem aus der Logik der verzeichneten Spenden und Bücherzugänge bis 1758 (vgl. Hoffmann [1751 ff.]: 288, 303 ff., Altenberend / Köhne 2008: 94, Flachmann 1988: 7, und Raab 1958: 113 f.).
  26. Kant, I. (1784): Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Berlinische Monatsschrift. Dezember 1784. Heft 12. S. 481-494, hier S. 491 (Hervorhebung im Original).
  27. Vgl. Clark, C. (2007): Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947. München. S. 299 ff.
  28. Allerhand nützliche Versuche, dadurch zu genauer Erkäntniß der Natur und Kunst der Weg gebahnet wird, denen Liebhabern der Wahrheit mitgetheilet von Christian Freyherrn von Wolff, … Anderer Theil. Halle 1747. S. 2v.
  29. Hoffmann 1753: 3 (Hervorhebung im Original).
  30. Vogelsang, R. (2008): Bürgerschule und Gelehrtenanstalt – 450 Jahre Gymnasium in Bielefeld. In: Altenberend, J. / W. Schröder (Hrsg.) (2008): Deo et Literis. Schule mit Geschichte – Schule mit der Zeit. Festschrift zum 450-jährigen Jubiläum des Ratsgymnasiums Bielefeld. Bielefeld. S. 11-48, hier S. 16.
  31. Raab 1958: 237 f.
  32. Hoffmann 1753: 4
  33. Vgl. Vogelsang 2008: 17.
  34. Gotthilf August Hoffmanns Einfälle von dem Entbehrlichen in der Welt bey Gelegenheit eine Redeübung auf den 13ten September, 1754. Bielefeld. S. 10.
  35. Hoffmann 1753: 3 f. (Hervorhebung im Original
  36. Vgl. Lüsebrink 2015: 102.
  37. Hamann, G. (2011): Diderots Encyclopédie. Das gesammelte Wissen der Welt. In: Zeit.de. 17.1.2011. Online unter: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-01/wikipedia-diederot?utm_referrer, abgerufen am 22.12.2020.
  38. Vgl. Hebbel 1980: [5].
  39. Hoffmann 1753: 6, 8.
  40. Ebd.: 4 (Hervorhebung im Original).
  41. Eine solche Stadtbibliothek erhält Bielefeld erst im Jahre 1905 (vgl. Flachmann 1988: 30).
  42. Hoffmann 1753: 5.
  43. Lüsebrink 2015: 104 und 105.
  44. Kant 1784: 481 (Hervorhebung im Original).
  45. Brose, T. (2019): Aufklärung, Enlightenment, Lumières, Haskalah … In: François, É/ T. Serrier (Hrsg.) (2019): Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte. Band I. Lebendige Vergangenheit. Darmstadt. S. 244-259, hier S. 245.
  46. Stuke, H. (1972): Aufklärung. In: Brunner, O. u.a. (Hrsg.) )1972): Geschichtliche Grundbegriffe. Band 1. Stuttgart. S. 243-242, hier S. 245.
  47. Kant 1784: 491 (Hervorhebungen im Original).
  48. Hoffmann [1751 ff.]: 288.
  49. Bertram, T. (1908): Geschichte der Bibliothek des Bielefelder Gymnasiums. In: [o. Hrsg.] (1908): Festschrift zum 350jährigen Jubiläum des Gymnasiums und Realgymnasiums zu Bielefeld. Am 5. und 6. August 1908. Bielefeld. S. 111-125, hier S. 113; vgl. auch Altenberend / Köhne 2008: 94.
  50. Hoffmann 1753: 9.
  51. Ebd.
  52. Ebd.: 8.
  53. Ebd.: 6.
  54. Ebd.: 8.
  55. Vgl. Altenberend / Köhne 2008: 94, und Flachmann 1988: 7, 17 f.
  56. Kant 1784: 481 (Hervorhebung im Original).
  57. Brague, R. (2019): Die Vernunft – die Grenzen einer Ambition. In: François, É/ T. Serrier (Hrsg.) (2019): Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte. Band I. Lebendige Vergangenheit. Darmstadt. S. 285-297, hier S. 293.
  58. Herwig, C. (1908): Geschichte der Anstalt. In: [o. Hrsg.] (1908): Festschrift zum 350jährigen Jubiläum des Gymnasiums und Realgymnasiums zu Bielefeld. Am 5. und 6. August 1908. Bielefeld. S. 1-110, hier S. 28.
  59. Vgl. Raab 1958: 237.
  60. Altenberend / Köhne 2008: 94. Davon ist gewiss die 1785-1789 bestehende „Lesegesellschaft der Primarer und Sekundaner“ sowie die 1828 gegründete und längst aufgelöste Schülerbibliothek zu unterscheiden (vgl. Köhne, R. (1983): Die „Schülerbibliothek zu Bielefeld“ von 1828. In: [o. Hrsg.] (1983): 425 Jahre Ratsgymnasium Bielefeld. Festschrift. Jubiläumswoche vom 22. bis 28. September 1983. Bielefeld. S. 248-255.).
  61. Vgl. den Abschnitt über den Bestand der Gymnasialbibliothek in dem durch Hoffmann seit 1751/52 bis 1758 angelegten sogenannte „Album“ der Schule (Hoffmann, G. A. [1751 ff.]: 288-313).
  62. Encyclopédie méthodique par une société de gens de lettres, de savants et d’artistes. Paris 1782 ff. (Ratsgymnasium Bielefeld, Bibliothek, A 226-346, unvollständig).
  63. Vgl. z.B. Abb. 1 und Anm. 28.
  64. Johann Christoph Gottscheds Ausführliche Redekunst, nach Anleitung der alten Griechen und Römer, wie auch der neueren Ausländer; in zween Theilen. Die zweyte Auflage. Leipzig 1739 (vgl. Hoffmann [1751 ff.]: 309).
  65. Vgl. Vogelsang 2008: 16-21.
  66. Vgl. Flachmann 1988: 7.
  67. Vgl. grundlegend Bertram 1908, detailliert für die Bestandsgeschichte 1815-1947 Flachmann 1988, maßgeblich zur Geschichte der Bibliothek und bedeutender Werke Altenberend / Köhne 2008, kurz Gerwin, C. / B. Magofsky (2018): „Ein Anliegen ‚von der grösten Nothwendigkeit‘ – Die Schulbibliothek des Ratsgymnasiums Bielefeld im Spiegel ihrer Schul- und Bestandsgeschichte“. In: bibliotheca.gym 18.12.2018. Online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/6605, sowie für die religiösen Bestände Magofsky, B. (2020): Der heilige Hieronymus im Gemäuer. Religiöse Handschriften, Inkunabeln und Bücher aus dem Bielefelder Franziskanerkloster in der Schulbibliothek des Ratsgymnasiums. In: Zeitarbeit. Aus- und Weiterbildungszeitschrift für die Geschichtswissenschaften 2/2020. S. 44-64. Online unter: https://majournals.bib.uni-mannheim.de/zeitarbeit/article/view/147/104.
  68. Vgl. zu dieser am Ratsgymnasium befindlichen Privatbibliothek neben den genannten Titeln (s. Anm. 67) dezidiert Köhne, R. (2000): Prof. Johann Wilhelm Loebell (1786-1863) und die „Loebellsche Bibliothek“ in Bielefeld. In: Ravensberger Blätter 2000. Heft 1. S. 26-34, und Altenberend / Köhne 2008: 101-104, sowie exemplarisch zu einem Kupferstich aus einem Werk der Aufklärungsphilosophie Magofsky, B. (2020): Vom „Bild“ der Gesetze – Montesquieus „De l’esprit des loix“ im Spiegel eines Kupferstichs aus einer französischsprachigen Werkausgabe. In: bibliotheca.gym 30.11.2020. Online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/9959. Eine detaillierte Analyse des Bestandes, auch und gerade mit Blick auf die Aufklärungsliteratur, steht indessen noch aus.
  69. Noeske, F. (2017): Von Bibliothekslandschaft, Bildersaal und Schatzkiste. In: bibliotheca.gym 4.11.2017. Online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/2964, abgerufen am 27.11.2020.
  70. Vgl. z.B. Artikel aus der Lokalpresse (Michel, Y. (2020): Der Schatz des Ratsgymnasiums. In: Neue Westfälische. 18.9.2020) oder ein kürzlich produzierter Imagefilm der Schule (Ratsgymnasium Bielefeld (2020): Bibliothek und Sprachen. Film, 24.12.2020. 2.40 Min. Online unter: https://youtu.be/0s_xVLyXVLo, Min. 0.37-0.42).
  71. Vgl. Noeske, F. (2019): Gymnasialbibliotheken sind Forschungsbibliotheken. In: bibliotheca.gym 29.3.2019. Online unter: https://histgymbib.hypotheses.org/2964, abgerufen am 27.11.2020.
  72. Knoche, M. (2016): Auf dem Weg zur Forschungsbibliothek. Studien aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Frankfurt am Main. S. 21.
  73. Hoffmann 1753: 8.