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Monastica Historia IV - 24. bis 26. September 2019, Telč

Diözesanarchiv St. Pölten -

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Das Historische Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik, Diözesanarchiv St. Pölten und Mährisches Landesarchiv Brno laden zum nunmehr vierten Mal zur Tagung "Monastica Historia".

Diese findet heuer in Telč statt und beinhaltet die Vorträge namhafter WissenschaftlerInnen aus Mitteleuropa.

Die Teilnahme ist kostenlos, das Programm finden Sie hier:

http://www.dasp.at/sites/dasp.kirche.at/files/docs/Program%20mh%20iv%20telc.pdf

 

Harald R. Ehrl CanReg. neuer Kustos in St. Florian

Referat für die Kulturgüter der Orden in Österreich -

In der jüngsten Ausgabe des Magazins des Stiftes St. Florian (FLORinside Nr. 17, 2018) stellt sich Harald R. Ehrl CanReg. als neuer Kustos seines Hauses vor. Im Kapitelrat war beraten worden, wer die Nachfolge des verstorbenen Karl Rehberger antreten und die Sorge für Archiv, Bibliothek und Kunstsammlungen übernehmen sollte. Die Kapitelräte betrauten ihren Mitbruder Harald R. Ehrl mit dieser Aufgabe.

Kategorien: Nachrichten aus den OrdenPersonalnachrichten

Steuern für die Abtwahl - und wie man sie vermied

Referat für die Kulturgüter der Orden in Österreich -

Der Archivar und Sammlungskustos des Stiftes Zwettl, Andreas Gamerith, stößt bei der Inventarisierung des kulturellen Erbes in seinem Haus immer wieder auf Besonderheiten. Jüngst entdeckte er ein Schriftstück, das eine „Anleitung zum Fälschen des Inventars für die Abtwahl 1776“ enthält.

Kategorien: Nachrichten aus den OrdenAus Archiven, Bibliotheken und Sammlungen

Kerzenleuchter abzugeben

Referat für die Kulturgüter der Orden in Österreich -

In einem Frauenkloster in Oberösterreich sind 8 Stück Kerzenleuchter abzugeben. Sie werden seit einigen Jahren nicht mehr verwendet. Gerne sollen diese wieder einem Gebrauch zugeführt werden. Alle Stücke sind im gleichen Design und stammen aus den 1960er Jahren. Sie sind aus Metall gefertigt und weisen Gebrauchsspuren auf, teilweise mit Kerzenteller.
Maße: Höhe ca. 100 cm
Kontakt bei Interesse: Referat für die Kulturgüter, Karin Mayer, karin.mayer@ordensgemeinschaften.at, +43 660 18 69 106

Freundschaftsalben

Gymnasialbibliotheken und -archive -

Unter dem Titel „Vergiß mein nicht” wurde am 6. Juni 2018 eine Ausstellung in der Staats- und Universitätsbibliothek Carl von Ossietzky, Hamburg, eröffnet.  Die Ausstellung ist bezaubernd und noch bis zum 12. August 2018 zu sehen!

Aus den Beständen der Hamburger SUB werden Freundschaftalben (Alba Amicorum) gezeigt, auch Stammbücher genannt,  die seit dem 16. Jahrhundert geführt wurden und in die Freunde dem Besitzer des jeweiligen Albums etwas hineinschrieben, hineinmalten oder hineinzeichneten und -klebten. Die Tradition der Stammbücher erkennen wir heute noch in unseren Gästebüchern und in den Poesiealben der Halbwüchsigen. Die frühen Freundschaftsalben sind „für Historiker, Philologen, Kunsthistoriker und Volkskundler eine wichtige personengeschichtliche und kulturhistorische Quelle”.1

Eintrag des Johannes Bugenhagen d. J. vom 5. April 1571; Zitat aus dem Brief des Paulus an Timotheus II, 3, (V. 15-17) und ein Epigramm von Melanchthon. Bibliothek des Christianeums, Sign.: R 34/1

Freundschaftsalben finden sich nicht selten auch in den historischen Beständen der Gymnasialbibliotheken. So hält die Bibliothek des Christianeums in Hamburg einige Exemplare, unter anderem das sogenannte Wittenberger Stammbuch,  versehen mit 22 Einträgen aus den Jahren 1570 bis 1572.  Diese Einträge befinden sich auf unbedruckten Blättern, die einem Druck von 1566  vor- und nachgebunden wurden. Inhalt des Drucks ist eine Darstellung der Vita Philipp Melanchthons von Joachim Camerarius (1500-1574): Joachimi Camerarii narratio de Philippi Melanchthonis ortu, totius vitae curricolo et morte, gedruckt 1566 in Leipzig. Die Autographen der gelehrten Zitate aus dem Griechischen und Lateinischen versammeln auf den unbedruckten Blättern das gesamte Who is who der reformatorischen Welt der zweiten Generation in Wittenberg.2

Titel mit Besitzereintrag. Bibliothek des Christianeums, Sign.: R 34/1

Das Buch hat einen Besitzereintrag in feiner Handschrift auf dem Titel: Liber Gerhardi Rantzovii Holsati. Es handelt sich um Gerhard Rantzau (1554 – 1580), den Neffen des gelehrten Heinrich Rantzau (1526-1598), des Amtmanns zu Segeberg und königlichen Statthalters, Besitzer von Breitenburg. Gerhard, Sohn von Heinrichs Bruder Paul (1527–1579), besuchte die Universität von Wittenberg ab 1569.3   Für Gerhards gleichnamigen Vetter (1558 – 1627), Sohn Heinrichs,  fehlt indes jeder Nachweis eines Aufenthalts in Wittenberg.  Der gelehrigere Cousin indes geriet 1580 auf einer Reise mit seinem Onkel Heinrich nach Odense auf Fünen  dortselbst  mit einem Mann namens Friedrich Brockdorf  in Streit, man schlug sich, Gerhard überlebte den Zweikampf nicht; er wurde in Odense bestattet.4

Wie das Wittenberger Stammbuch in die Gymnasialbibliothek des Christianeums in Altona kam, ist unbekannt. Stammbücher wurden auf Reisen mitgeführt. Vermutet wird, dass jenes von Gerhard nach dem Tod seines Besitzers vom Onkel in dessen Breitenburger Bibliothek verwahrt wurde. 1627 wurde das Schloss Breitenburg geplündert, die Bibliothek ging in den Verkauf, aus dem einige, darunter ähnlich ausgestattete Exemplare in der Hamburger Stadtbibliothek landeten. Möglicherweise kam das Stammbuch auf diesem Wege in das Gymnasium nach Altona; ein Nachweis seiner Reise wurde bislang nicht gefunden.5

Einband Vorderdeckel. Bibliothek des Christianeums Sign.: R 34/1

Der Oktavband ist kostbar eingebunden und hervorragend erhalten. Die vergoldete Prägung zeigt die Initialen des Besitzers G. R. und die Jahreszahl 1570. Der Einband des Vorderdeckels ist  mit fünf Medaillons geschmückt: in der Mitte ist Jesus in Gethsemane dargestellt, darum gruppiert die geprägten und vergoldeten Portäts von Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen und Paul Eber – deren noch lebende Freunde und Jünger  sich mit ihren Einträgen an einer ganz eigenen Erinnerungsstätte versammelten. 6

Literatur

Gerhard Rantzau’s Wittenberger Stammbuch 1570–1572 / Von Dr. Johannes Claussen, Professor am Gymnasium in Altona. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgische Geschichte, Bd. 27 1897; S. 79-95. Bibliothek des Christianeums Sign.: K IV 208/76 b . (Digitalisat u.a. via Wikisource)

Weblinks

Wikipedia: Stammbuch (Freundschaftsalbum)
Stabi-Blog: Vergiß mein nicht.  Stammbücher und Freundschaftsalben des 16. bis 20. Jahrhunderts aus Hamburg.

Beitragsbild

„vergiß mein nicht“ Cod.67 in scrin., Nr. 324 (Staats- und Universitätsbibliothek, Hamburg)

Anmerkungen
  1. „Vergiß mein nicht”. Stammbücher und Freundschaftsalben des 16. bis 20. Jahrhunderts aus Hamburg.  Ausstellung 7. Juni bis 12. August 2018. https://blog.sub.uni-hamburg.de/?p=25005
  2. Transkription und Erschließung der 22 Einträge in: Gerhard Rantzau’s Wittenberger Stammbuch 1570–1572 / Von Dr. Johannes Claussen, Professor am Gymnasium in Altona. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinisch-Lauenburgische Geschichte, Bd. 27 1897; S. 79-95
  3. Matrikeleintrag vom 23. Juni 1569; nach: Album academiae Vitebergensis, vol. II, Halle 1894; siehe Claussen (1897) S. 92
  4. Claussen(1897)  S. 93
  5. Claussen (1897) S. 94 f.
  6. In alphabetischer Reihenfolge: Joachim von Beust, Johannes Bugenhagen der Jüngere, Paul Crell, Caspar Cruciger, Joachim Eger, Andreas Freyhube, Paul Hess, Hubertus Langustus,  Albert Lemeiger, Georg Maior, Heinrich Moller, Christoph Pezel, Abdias Prätorius, Petrus Praetorius, Esrom Rüdinger, Siegfrid Sack Heinrich Salmuth, Hieronymus Schaller, Michael Teuber, Petrus Vincentius, Matthäus Wesenbeck, Friedrich Widebram (siehe dazu auch Claussen (1897) S.  82-89); alle Einträge wurden vor 2014 eingescannt, die Scans aber noch nicht publiziert.

1418: Als aus Schotten »Schotten« wurden

Archiv des Schottenstifts -

Aus Anlass des 600. Jahrestages des Abzugs der irischen Mönche aus dem Wiener Schottenkloster im August 1418 widmet sich derzeit eine kleine Themenschau im Museum im Schottenstift den Ereignissen dieses Jahres und ihren Folgen. Die dort gezeigten Objekte seien auch an dieser Stelle kurz vorgestellt.

Sprach man im Mittelalter von Scotia, dann meinte man zunächst nicht das heutige Schottland, sondern die Insel Irland. Als Schotten (scoti) wurden daher vorrangig die Bewohner Irlands bezeichnet. Ausgehend vom Mutterkloster St. Jakob in Regensburg entstand im Laufe des 12. Jahrhunderts vor allem im süddeutschen Raum ein Verband irischer Benediktinerkonvente, die Schottenklöster genannt wurden. Durch Rekrutierungs- und Ausbildungsstationen in der irischen Heimat gelang es diesen über Jahrhunderte hinweg, ihre ethnische Geschlossenheit zu bewahren. Solche irischen Mönche meinte auch Herzog Heinrich II. Jasomirgott, als er in seiner Stiftungsurkunde für das 1155 von ihm in Wien gegründete Kloster festhielt, dass er allein Schotten auserwählt habe (solos elegimus Scottos), hier zu leben.

Urk 1161-04-21.1
Herzog Heinrich II.: Stiftungsurkunde des Schottenklosters (erste Fassung, Ausschnitt).

Im August 1418, 263 Jahre nach der Klostergründung, endet die Ära der irischen Mönche im Wiener Schottenkloster. Die Voraussetzungen dafür werden am Konzil von Konstanz und am Petershausener Provinzialkapitel geschaffen. Angesichts des nicht mehr funktionierenden Nachzugs aus Irland gestattet Papst Martin V. am 17. Jänner 1418 auf Bitten des österreichischen Herzogs Albrecht V. (später König Albrecht II.), dass auch andere als Iren (de Scotie et Ybernie) in das Wiener Schottenkloster aufgenommen werden dürfen. Er setzt damit die Exklusivitätsklausel der Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1161 außer Kraft.

Urk 1418-01-17.2
Papst Martin V.: Erlaubnis zur Aufnahme nicht-irischer Mönche (Ausschnitt).

Im Zuge der beginnenden Melker Klosterreform kommt es im Sommer 1418 zur Visitation des Schottenklosters, die zunächst von 1. bis 7. August 1418 dauert und deren Ablauf in der Visitationsurkunde der päpstlichen Bevollmächtigten Abt Angelus von Rein und Prior Leonhard von Gaming beschrieben wird. Die eigentlichen Anliegen der Reform stellen für die irischen Mönche keine Schwierigkeit dar – sehr wohl aber die speziell auf die Ethnizität im Kloster bezogene Klausel. Vor die Wahl gestellt, auch Einheimische in ihre Reihen aufzunehmen oder auf das Kloster zu verzichten, entscheiden sie sich für eine Rückkehr in ihre Mutterabtei nach Regensburg. In der Visitationsurkunde findet sich die Auswanderungserklärung der letzten Iren; neben Abt Thomas genannt werden der Prior Laurentius und die Mönche Patricius, Donatus, Karolus, Mauritius und Finianus.

Urk 1418-08-07
Visitationsurkunde Abt Angelus’ von Rein und Prior Leonhards von Gaming.

Die förmliche Resignation des letzten irischen Abtes Thomas nehmen die päpstlichen Visitatoren am 9. August 1418 entgegen.

Urk 1418-08-09
Resignation Abt Thomas’ (Ausschnitt).

Umgehend wird nun das Kloster in Wien mit einheimischen Benediktinern aus Melk neu besiedelt. Zum neuen Abt ernennen die Visitatoren den Reformer Nikolaus von Respitz. Der Name „Schottenkloster“ bleibt jedoch erhalten. 

Der Wechsel erfolgt nicht konfliktfrei; in den folgenden Jahren kommt es zu mehreren Streitigkeiten mit den Iren. Da Abt Thomas, der eine jährliche Pension von 80 Dukaten zugesprochen bekommt, bald nach seiner Resignation in Wien Abt des Würzburger Schottenklosters wird, beauftragt Papst Martin V. am 23. April 1425 von Rom aus den Propst von St. Stephan in Wien mit der Prüfung der Notwendigkeit dieses Anspruchs.

Urk 1425-04-23 Papst Martin V.: Auftrag zur Überprüfung der Pension Abt Thomas’.

Das Schottenkloster St. Jakob in Regensburg hingegen macht weiterhin Ansprüche auf das Wiener Kloster geltend, die Streitsache zieht sich über Jahrzehnte. Am 26. August 1434 überträgt das Konzil von Basel die Entscheidung dem Dechant des Passauer Domkapitels – endgültig geklärt wird die Angelegenheit jedoch erst im Jahr 1448.

Urk 1434-08-26
Delegierung des Passauer Domdechanten durch das Basler Konzil in der Streitsache mit St. Jakob in Regensburg (Ausschnitt).

Auskunft über die durch das Jahr 1418 geänderten Verhältnisse geben auch die Verbrüderungsurkunden des Schottenklosters. Gebetsverbrüderungen dienen der vertraglichen Vereinbarung des Totengedächtnisses und anderer liturgischer Leistungen füreinander; zwischen zwei Klöstern abgeschlossen, sind sie Ausdruck einer starken Verbundenheit. Die Verbrüderung des Regensburger Schottenklosters St. Jakob mit dem Wiener Tochterkloster datiert vom 19. März 1283. Am 4. Mai 1422 beurkunden hingegen Abt Nikolaus Seyringer, Prior Petrus von Rosenheim und der Konvent von Melk die Verbrüderung ihres Stiftes mit dem Wiener Schottenkloster unter Abt Nikolaus von Respitz.

Urk 1283-03-18: Verbrüderung mit dem Schottenkloster St. Jakob in Regensburg.
Urk 1422-05-04: Verbrüderung mit der Benediktinerabtei Melk.

Die Melker Reform nimmt ihren Ausgang im Kloster Subiaco im italienischen Latium, der Wiege des Benediktinertums, von wo aus die ersten Reformer nach Österreich kommen. Daher führen diese in den reformierten Klöstern zur genauen Regelung des klösterlichen Alltags die Gewohnheiten und Bräuche von Subiaco (Caeremoniae regularis observanciae Sublacenses) ein. Erst Jahrzehnte später werden eigene Melker Gewohnheiten (Consuetudines Mellicenses) niedergeschrieben.

Cod. 300 (Hübl 240), fol. 97r
Caeremoniae regularis observanciae Sublacenses.

Besondere Anliegen der Melker Reform sind neben strenger Klosterdisziplin und neubelebter Liturgie vor allem Bildung und Studium, die ihren Ausdruck in einer starken praxisbezogenen Schriftlichkeit finden. In zahlreichen Texten beschäftigen sich die Melker Reformmönche mit unterschiedlichen Aspekten des klösterlichen Lebens. Einer der wichtigsten Autoren der Reform ist der Melker Mönch Johannes Schlitpacher, der unter anderem einen Kommentar zur Regel des heiligen Benedikt (Memoriale viaticum regulae S. Benedicti) verfasst. Ein von vielen Reformern, hier konkret vom Melker Mönch Petrus von Rosenheim, behandeltes Thema ist die Abstinenz vom Fleischgenuss (de esu carnium).

Cod. 297 (Hübl 237), fol. 3r: Johannes Schlitpacher: Memoriale viaticum Regulae S. Benedicti.
Cod. 392 (Hübl 391), fol. 212r: Petrus von Rosenheim: De esu carnium.

Dieses Brevier wurde 1471 im Stift Melk geschrieben (Breviarium Mellicense). Ein Brevier versammelt die verschiedenen Texte des Stundengebets in handlicher Form, wodurch es einem Mönch ermöglicht, seiner Verpflichtung zum Chorgebet auch bei Verhinderung, etwa auf Reisen, nachzukommen. Die Zusammenstellung der Texte kann je nach Kloster, Reformkreis oder Orden unterschiedlich sein. Blättern Sie online in dieser Handschrift!

Cod. 151 (Hübl 158), fol. 35v
Breviarium Mellicense.

Liber monasterii sancte Marie (virginis) Scotorum („Buch des Klosters der heiligen (Jungfrau) Maria der Schotten“) – so oder so ähnlich lautet gewöhnlich der Besitzvermerk in den Büchern des Schottenklosters. In den Jahrzehnten nach der Reform 1418 wird dieser Vermerk durch ein schlichtes alias („sonst“, im Sinne von „sogenannt“) zu alias Scotorum ergänzt. Damit soll verdeutlicht werden, dass es sich nur noch dem Namen nach um ein Kloster der irischen Schotten handelt.

Besitzvermerke.

Am ersten Blatt dieses deutschsprachigen Novizenspiegels, einer Lehrschrift für Novizen und Kleriker, finden sich neben einem ausführlichen Besitz- und Anschaffungsvermerk aus dem Jahr 1456 auch mehrere nachträgliche Eintragungen zu den Abtweihen im Schottenkloster. Jeweils angegeben wird dort auch, um den wievielten Abt nach den irischen Schotten es sich handelt (z.B. der do ist der funfft nach den schotten). Blättern Sie online in dieser Handschrift!

Cod. 51 (Hübl 212), fol. 1r
Novizenspiegel (Anschaffungsvermerk und Notizen zu Abtweihen).

Bei ihrem Abzug aus Wien nahmen die Iren auch den größten Teil ihres Buchbestands mit. Zurück blieben lediglich einige ausrangierte liturgische Bücher, die in der Folge zerschnitten wurden und teilweise als Einbandfragmente erhalten geblieben sind.

Fragm. liturg. 19: Antiphonar mit einem Reimoffizium zu Ehren des heiligen Benedikt.
Fragm. liturg. 98: Hymnar mit Gesängen zu den Gedenktagen der irischen Heiligen Patrick, Columban und Baithen.
Fragm. liturg. 1: Chorbuch mit Gesängen für Weihnachten.

Als Makulatur sollten Fragmente den Buchblock einer Handschrift vor Beschädigungen durch die Holzdeckel des Einbandes schützen. Im Zuge der wissenschaftlichen Erforschung wurden die meisten Fragmente Ende des 20. Jahrhunderts aus den Büchern herausgelöst. An manchen Stellen blieben jedoch Spuren sichtbar. So findet sich etwa im Vorderdeckel dieser Handschrift aus dem 15. Jahrhundert der Abklatsch des Fragments eines Antiphonars aus dem 12. Jahrhundert – besonders deutlich erkennbar an der Stelle der Deckfarbeninitiale.

Einbanddeckel (Cod. 357 (Hübl 357), VD) und Fragment (Fragm. liturg. 9: Fragment eines Antiphonars mit einem Gesang für Karsamstag).

Um 1465 verfasst ein Reformmönch des Schottenklosters eine Gedächtnisschrift über die Reform des Klosters, das Memoriale reformacionis ad Scotos, in welcher nicht nur die Visitation im Jahr 1418, sondern auch die angeblichen negativen Zustände im Kloster vor der Reform beschrieben werden. Lange Zeit wurde der Charakter dieses Textes als Propagandaschrift nicht erkannt, weshalb die irischen Mönche der Nachwelt als besonders lasterhaft galten. Jüngere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass die Iren in Wirklichkeit hochangesehene Mitglieder der städtischen Gesellschaft waren, von denen keine Verfehlungen überliefert sind.

In den im Memoriale enthaltenen nekrologischen Notizen, welche die seit der Reform verstorbenen Mönche des Schottenklosters nennen, wird auch ein frater Patricius sacerdos de Scocia erwähnt. Nach der Visitation 1418 entschied sich dieser Patricius (Patrick), der im Visitations­bericht als einer der letzten irischen Mönche angeführt wird, als einziger dazu, doch in Wien zu bleiben. Trotz aller heraufbeschworenen ethnischen Konflikte steht er hier nun inmitten seiner neuen Mitbrüder aus Österreich, Bayern, Schwaben, Mähren, Schlesien und Ungarn!

Cod. 312 (Hübl 405), fol. 100r
Nekrologische Notizen im Memoriale reformacionis ad Scotos.

Großen Anteil an der ungerechtfertigten schlechten Nachrede der irischen Mönche hat der Mathematiker und Komponist Johann Rasch, der im Schottenkloster als Organist tätig war. Für seine 1586 im Druck erschienene Stiftsgeschichte Stifftung und Prelaten unser lieben Frauen Gottshaus, Benedicter ordens, genannt zu den Schotten, zu Wienn, die noch von einem falschen Gründungsdatum 1158 ausgeht, übernahm er weitestgehend die Berichte des Memoriale reformacionis ad Scotos. Bis heute wird sein Werk zum Teil sehr unkritisch rezipiert.

Scr. 30, o. Sign.
Johann Rasch: Stifftung und Prelaten unser lieben Frauen Gottshaus, Benedicter ordens, genannt zu den Schotten, zu Wienn (1586).

Lange Zeit bestand der Verdacht, die irischen Mönche hätten bei ihrem Abzug aus Wien nicht nur Bücher, sondern auch Urkunden mit sich genommen. Noch im 19. Jahrhundert wendet sich daher Abt Andreas Wenzel an den Historiker Joseph von Hormayr mit der Bitte, Informationen über die Regensburger Archivsituation einzuholen. Hormayr erstattet Wenzel am 10. April 1828 Bericht und kündigt an, dass der Regensburger Regierungsdirektor Ignaz Rudhart (später kurz griechischer Ministerpräsident) Abschriften von einzelnen Urkunden, die das Wiener Kloster beträfen, anfertigen werde. Auch diese Abschriften haben sich im Stiftsarchiv erhalten – wirklich relevante Urkunden sind aber keine darunter.

Scr. 102 Nr. 25
Brief Joseph von Hormayrs an Abt Andreas Wenzel über die Archivsituation in Regensburg (1828, Ausschnitt).

Die Themenschau „1418: Als aus Schotten »Schotten« wurden“ kann von Anfang Juli bis Anfang November 2018 im Museum im Schottenstift besichtigt werden. Der Zugang erfolgt über den Klosterladen (Freyung 6, 1010 Wien).

Oldalak

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